Leipzigs Thomaskantor Rotzsch dirigiert "Paulus" in Hamburg

Ein Bastler - wie einst Bach

In Hamburg wohnt er immer bei Helga Mauersberger, Geschäftsführerin von Studio Hamburg, Tochter seines Leipziger Amtsvorgängers Erhard Mauersberger: Hans-Joachim Rotzsch (58) ist seit 1972 Thomaskantor, der 15. seit Bach, der erste in Leipzig geborene Thomaskantor überhaupt. In Hamburg gastiert er zum wiederholten Male als Dirigent beim NDR-Chor. Hauptereignis: die Aufführung von Mendelssohns Oratorium "Paulus" am 26. Februar in St. Jacobi.

Doch zuvor macht Rotzsch noch kleinere Funkaufnahmen mit weltlicher Chormusik und Motetten von Leipziger Thomaskantoren des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Moritz Hauptmann, Ernst Friedrich Richter, WUhelm Rust und Gustav Schreck.

AUes Wünsche der NDR- Musikredaktion. Abteilungsleiter Friedrich Riethmüüer kennt Rotzsch schon aus der Zeit, als er noch Kulturdezement in Göttingen war. Er vermittelte Rotzschs Gastdirigate beim NDR.

Aber in Hamburg hat Rotzsch auch noch alte Jugendfreunde, die, wie die Chorleiter Jürgen Jürgens und Hellmut Wormsbächer und der philharmonische Flötist Klaus Holle, zusammen mit Rotzsch vor 1945 das Musische Gymnasium

in Frankfurt am Main besuchten. Darüber hinaus ist Rotzsch hier als Oratorien- Tenor unvergessen.

Diese erste Karriere gab Rotzsch nach Übernahme des Thomaskantorats auf. Erfahrung mit Chören hatte er längst: als Stimmbüdner der Thomaner und Leiter des Leipziger Universitätschores. Und noch heute kann er Chören bei der Probe mit kultiviertem Tenor ihre Partie vorsingen.

Bevor Rotzsch von 1949 bis 1953 Kirchenmusik in

Leipzig studierte, war er nach dem Kriege - Autoschlosser! Vom Vater (Feinmechaniker) hat er handwerküches Talent geerbt. Sein Hobby: die Modelleisenbahn. Etwa sechs Quadratmeter mißt die Anlage daheim in der Leipziger Wohnung. Ergänzungsstükke kauft Rotzsch auch in Hamburg gern ein. Nach Hamburg mitgebracht hat er seine Frau Irene. Die drei erwachsenen Rotzsch-Söhne sind übrigens aüe nicht Musiker geworden. z. r.

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