Der Wachwechsel: Ernst Naumann löste Wolfgang Klein abDas erste Interview mit dem neuen Vereins-Prasidenten

"Es darf beim HSV keine Privatfehde geben"

ERNST NAUMANN ist seit 20 Jahren HSV-Mitglied und war von 1972 bis 1974 und von 1980 bis 1984 bereits Vizepräsident des Vereins. Vor drei Jahren trat er aus Altersgründen zurück. Jetzt wird seine wichtigste Aufgabe sein, das hat er in den letzten Wochen immer wieder betont, einen jüngeren Nachfolger zu finden. Naumann wurde 1921 in Hamburg geboren und Ende der dreißi- Per Jahre beim "Hamburger remdenblatt", dem Abendblatt-Vorläufer, ausgebildet. Von 1948 bis 1968 arbeitete er im Axel Springer Verlag. Seit 1976 ist Naumann alTeinzeichnungsberechtigter Verleger und Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co., Hannover. Der Verlag gibt u.a. die Neue Presse, die Hannoversche Allgemeine und das Göttinger Tageblatt heraus

Gestern abend hat die HSV-Mitgllederversammlung den 66 Jahre alten Verleger Ernst Naumann zum neuen Präsidenten gewählt. Abendblatt-Mitarbeiter Manfred Heun sprach mit ihm über die Zukunft des Traditionsvereins.

Hamburger Abendblatt: Herr Naumann, was wird Ihre erste Amtshandlung als Präsident des HSV sein? Ernst Naumann: Den Präsidiumskollegen Helmut Kallmann und Horst Becker sowie Manager Feüx Magath und Generalsekretär Dr. Dirk Albrecht werde ich anläßllch des Europacup- Rückspiels meine Vorstellungen erläutern.

Wie sehen diese aus? Es ist kerne Frage: Der HSV hatte unter Dr. Wolfgang Klein eine große Zeit. Wir hatten außergewöhnllche Erfolge, wenn ich an die Europapokalsiege 1977 und 1983 und an die drei Deutschen Meisterschaften 1979, 1982 und 1983 denke. Heute sieht es nicht so gut aus. Es gibt auch Sachprobleme, auf die ich noch nicht eingehen kann, weü mir dazu . verständücherweise der Überbück fehlt.

Es gibt doch neben den sporthchen auch interne Schwierigkeiten . . .

Deshalb ist es wichtig, daß es innerhalb des Vereins zukünftig kern Hick-Hack mehr gibt und es nicht nach Sympathie und Antipathie geht. Es müssen alle zum Wohle des HSV arbeiten.

Zielt das auf die offenbar nicht immer störungsfreie Zusammenarbeit von Felix Magath und Dr. Dirk Albrecht hin?

Es darf beim HSV keine Privatfehde geben, beide sind in überaus wichtigen Positionen für denselben Verein tätig und werden entsprechend bezahlt. Jeder soll sich auf sein Gebiet konzentrieren.

Sie sind ein erfolgreicher Verleger und kennen sich im Klub-Management aus. Wie wird denn nun Ihr Führungsstil bei einem Profiklub wie dem HSV aussehen, nachdem Sie schon jahrelang Vizepräsident waren ?

Ich gehe mit Optimismus und einer positiven Einstellung an die Aufgabe.

Können Sie das näher erläutern?

Indem ich auf die Mitarbeiter zugehe und sage: "Ihr seid alle gut. Nun beweist einmal, daß ich von der richtigen Annahme ausgehe. Und wenn ihr Probleme habt, dann kommt zu mir."

Nun ist es ja nicht so, daß Sie auf Probleme warten müssen. Esgibtsieim schon, zum Beispiel das bisher enttäuschende Abschneiden in der Fußball-Bundesliga. In Amsterdam droht das "Aus" im Europacup, auch die nächste Pokalaufgabe in Kaiserslautern ist heikel.

Richtig. Unser Trainer Josip Skoblar ist ein netter Mensch. Ich wünsche mir, daß wir Anfang Dezember einmal über die Möglichkeiten sprechen, die die Mannschaft nach seiner Meinung hat, um den Auftrag zu erfüllen.

Welcher ist das?

Mit dem HSV einen UEFA-Cup-Platz zu erreichen. Und wenn er sich das zutraut, dann soll er die Arbeit machen.

Und wenn nicht?

Dann müssen wir darüber offen sprechen. Eine Teilnahme am UEFA-Pokal ist Pflicht, wenn wir im BUckpunkt bleiben wollen.

Nun hat Skoblar ja nicht allein daran schuld, daß der HSV durch die Umstrukturierung mit dem Einbau von Nachwuchsspielern in Schwierigkeiten geraten ist.

Dieses Problem müssen Manager und Trainer gemeinsam lösen. Ich bin überzeugt, sie können es auch.

Was wünschen Sie sich am meisten ?

Der HSV hat eine große Zeit hinter sich. Mein Engagement zielt darauf hin, daß unser Verein, nicht nur wegen seiner hundertjährigen Tradition, eine ebenso erfolgreiche Zeit noch vor sich hat. Der Name HSV verpflichtet.