Zwei Kinder verunglückten tödlich mit neuen Fahrrädern - Jetzt warnt die Polizei: Mit diesem Fahrrad fuhr die elf Jahre alte Kerstin H. über die Jenfelder Allee - und direkt unter einen Sattelschlepper Foto: frederika

Ohne die Rücktritt- Bremse kann es gefährlich werden

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Das Fahrrad als todbringendes Gefährt? Innerhalb weniger Tage sind in Hamburg bei zwei Verkehrsunfällen zwei Mädchen ums Leben gekommen. Die Polizei glaubt jetzt, die Ursache erkannt zu haben: In beiden Fällen hatten die Mädchen neue Fahrräder, die zwar mit je zwei Felgenbremsen ausgestattet waren, aber dafür keine Rücktritt-Bremse hatten. Die Polizei warnt nun dringend davor, Kinder ohne Übung mit solchen Rädern auf die Straße zu lassen.

"Ich habe von Kerstins Unfall gelesen und mit Susanne gesprochen. Wir waren entsetzt - jetzt sind wir selbst betroffen." Worte eines Vaters, der seine Tochter bei einem Unfall verlor. Ben Y. ist Vater der elfjährigen Susanne, die Ende vergangener Woche auf der Ulzburger Straße starb. Zwei Wochen vorher war die gleichaltrige Kerstin H. in Tonndorf getötet worden.

Das Wissen um Kerstins grausamen Tod - das Mädchen war auf der Jenfelder Allee unter die Zwillingsreifen eines Sattelschleppers geraten - konnte Susanne nicht retten: Die Schülerin, die seit drei Wochen ein Gymnasium besuchte, hatte morgens das Elternhaus in Poppenbüttel verlassen. Sie kam nicht weit: Nach 200 Metern stürzte sie direkt vor einen BMW.

Das Fahrrad hatte Susanne im April zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ein sportliches Mädchenrad, zwar ohne Rücktritt-Bremse, dafür mit zwei Felgenbremsen. "Sie hatte es sich so gewünscht", sagte ihr Vater, "sie konnte damit auch sehr gut fahren." Gut genug?

Es gibt auffällige Parallelen zum Unfall in Tonndorf: Auch hier verunglückte mit Kerstin H. ein elfjähriges Mädchen, auch dieses fuhr ein neues Fahrrad, das keine Rücktritt-Bremse hatte. Unstrittig ist hier die Unfallursache: Kerstin hatte die Vorfahrt des Sattelschleppers nicht beachtet. Inzwischen vermutet die Polizei, daß das Kind die Vorfahrt gar nicht beachten konnte: Als es die Rücktritt-Bremse trat, war da nur der Leerlauf . . .

Edgar Schwand (53), Hamburgs oberster Verkehrspolizist, sagte gestern dem Abendblatt: "Gegen solche Fahrräder ist eigentlich nichts einzuwenden." Aber wenn ein Kind umsteige, von einem Rad mit Rückritt-Bremse auf ein Rad mit Felgenbremsen, dann dürfe es auf keinen Fall sofort in den Straßenverkehr hinein. "Dann muß es erst üben, wie auch ein Autofahrer üben muß, wenn er von Schaltung auf Automatik umsteigt." ruh

So können Sie Ihre Kinder schützen

Wie können Eltern ihren Kindern sicheres Fahrradfahren beibringen? Wolfgang Bauer, bei der Hamburger Polizei für Verkehrserziehung zuständig, gibt Tips: ? Ein Fahrrad kaufen, das nicht zu groß ist.

- Außerhalb von Straßen, zum Beispiel auf Plätzen, sicheres Radfahren üben. ? Das Kind bei Ausflügen vorausfahren lassen, damit es lernt, Verantwortung zu tragen und eigene Entscheidungen zu treffen.

- Kreuzungssituationen "vor Ort" besprechen. Dabei vor allem das Abbiegen mit Handzeichen und Zurückschauen üben.

- Dem Kind immer wieder "predigen": Defensiv fahren! Jeder muß auch mit möglichen Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen!

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