Am 2. November endet die Präsidentschaft von Dr. Wolf gang Hein - Nachfolger wird Ernst NaumannEntscheidung nach der Rückkehr vom Urlaub auf Elba verkündet

Die letzten 100 Tage

Von Manfred Heun

Hamburg - High noon in der Badestraße in Harvestehude unweit der Außenalster. Um zwölf Uhr mittags kamen die Herren der HSV-Führungsetage von einem wichtigen zweistündigen Arbeits-Frühstück im "Inter- Conti" in das italienische Restaurant "Osteria".

Dr. Wolfgang Klein, Helmut Kallmann, Horst Becker, Felix Magath, der gestern seinen 34. Geburtstag feierte, Dr. Dirk Albrecht, Hans-Jürgen Bode, Ernst Naumann, Rolf Hollmann (Mitglied des HSV-"Klubs der Hundert") und Uwe Seeler, der eigens aus Frankfurt eingeflogen war, stellten dabei beim HSV im Jahr des hundertjährigen Bestehens für die Zukunft.

Präsident Dr. Klein war braungebrannt zurückgekehrt vom Urlaub auf Elba. "Damit es niemand falsch versteht, ich bin nicht dorthin ins Exil gegangen", witzelte er. Locker saß er auf einer Balustrade inmitten blütendweiß gedeckter Tische und servierte: ?Heute beginnen meine letzten hundert Tage als Präsident des HSV. Das ist meine freiwülige und notwendige Entscheidung, was nach acht schönen Jahren in erster Linie persönliche Gründe hat. Ich habe in dieser Zeit Frau, Freunde und meine beruflichen

Partner in meiner Anwaltskanzlei vernachlässigt. Es ist auch für den HSV gut, daß nun ein Wechsel vollzogen wird."

Die Wahl des neuen Präsidenten soll nun auf der obligatorischen Jahreshauptversammlung am 2. November erfolgen. Einstimmig wird das HSV-Präsidium den langjährigen Vizepräsidenten Ernst Naumann (von 1970 bis 1972 und von 1980 bis 1984) als Kandidaten vorschlagen. "Ich wurde erst vor zwei Stunden mit diesem Problem konfrontiert. Vor unserem Zusammentreffen hatte ich mich mit diesem Gedanken nicht so richtig anfreunden können, obwohl ich mich seit Jahren dazugehörig fühle. Ich bin mir nicht so sicher, ob es gut ist, wenn wir Oldtimer so etwas machen", sagte der 65jährige Naumann, der sich in der Vergangenheit große Verdienste um den HSV erworben hat. Er wird von sofort an den Präsidiumssitzungen teilnehmen. "Das haben wir einstimmig beschlossen", sagte der noch amtierende HSV-Präsident.

Dr. Wolfgang Klein sieht den Zeitpunkt seines Rückzugs als geeignet und logisch an. "Entscheidend ist, daß es unserem Verein in meiner Amtsperiode gelungen ist, sich den Notwendigkeiten des Profi-Fußballs anzupassen. Wir haben eine HSV-Marketing GmbH und einen ,Klub der Hundert' ins Leben gerufen, wir sind in wichtigen Funktionen beim DFB Mitarbeiter, ob im Ligaausschuß oder in der Fernseh-Kommission, wir haben nach dem FC Bayern München den besten Ruf in Deutschland. Meine persönliche Bilanz kann sich sehen lassen: zweimal Deutscher Meister, einmal Europa- und einmal DFB- Pokalsieger."

Rückblickend bekannte sich der HSV-Präsident ("Ich bin selbst ein schwieriger und manchmal auch überaus empfindsamer Mensch") zu den kontroversen Diskussionen innerhalb des HSV: "Auch Branko Zebec, Aleksandar Risti6, Günter Netzer, Ernst Happel und Felix Magath sind schwierige Menschen - vielleicht haben wir deshalb gemeinsam soviel Erfolg gehabt."

Der neue Mann, Ernst Naumann, will die Führungsarbeit künftig "auf eine breitere Basis stellen, weü ehrenamtllche Leute allein überfordert sind." Damit wird der HSV also weiterhin auf seine Trumpfkarte "Bundesliga" setzen. "Ernst Naumann ist ein sachlicher und ausgleichender Mann, er wäre ein sehr guter Nachfolger für Wolfgang Klein", sagte Manfred Kaltz.