Abendblatt-Leser über die vielen Staus in Hamburg

Alle 100 Meter steht die Ampel auf Rot

"Hamburg erstickt im Verkehr" und "Die 6 Gründe für die vielen Staus" - unter diesen Überschriften berichtete das Hamburger Abendblatt in der Freitag-Ausgabe über die Zustände auf Hamburgs Straßen; und bat seine Leser, ihre Meinung dazu zu sagen. Hier eine Auswahl:

Die Straßen werden immer schmaler gemacht; wenn früher zwei Autobusse aneinander vorbeifahren konnten, müssen sie heute oft hintereinander fahren, weil ein Fahrstreifen weggenommen wurde; zum Beispiel am Horner Weg. Das hemmt den Verkehrsfluß. Wo früher zwei Autos stehen konnten, sind Eisenbügel so aufgestellt worden, daß nur noch ein Auto parken kann.

Hansjörg Tragert, Hamburg 74

Meiner Meinung nach liegt der zusammenbrechende Verkehr daran, daß Bahn und Busse nicht ausgenutzt werden. Der HW nimmt zu hohe Preise. Anstatt die Busse zu benutzen, ziehen es viele vor, den eigenen Pkw zu nehmen. Hier kann nur eine radikale Senkung der HW-Tarife Abhilfe schaffen. Dirk Lübers, Hamburg 76

Es gibt ständig Verstöße gegen S 1 1 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung: "Steigt der Verkehr, so darf trotz Vorfahrt oder grünem Lichtzeichen niemand in Kreuzungen einfahren, wenn er auf ihr warten müßte." In Kiel wurden einige Kreuzungen per Videokamera überwacht und anschließend wurde den Autofahrern ihr Fehlverhalten aufgezeigt. Daraufhin ist dieses Verhalten drastisch zurückgegangen. Rolf Sievers, Hamburg 3b

Für das Problem namens "Auto" wird eine Lösung nicht mehr möglich sein. Wem diese Schwierigkeiten zuviel sind, der möchte sich doch auf Schusters Rappen bewegen. Bernhard Straeubichen, Hamburg 60 Auf den Hauptstraßen gibt es meiner Meinung nach zu wenig Ampel-Grünphasen. Und wenn eine Nebenstraße beruhigt wird, müssen mehrere andere Straßen darunter leiden. Denn auch die sogenannte Verkehrsberuhigung ist ja nicht immer nur positiv. Die Leute fahren nicht langsamer, wenn Betonklötze am Rand stehen. Dadurch wird nur der Lärm stärker durch das Anfahren, und unter den Abgasen leidet man auch. Ich habe nicht den Eindruck, daß bei der Straßenplanung Fachkräfte eingesetzt werden.

Christa Witt, Hamburg 61

Ich möchte die Hamburger daran erinnern, daß sie viel schneller mit dem Bus oder der Bahn in die Stadt fahren. Wir lassen unser Auto in Halstenbek stehen und benutzen die Bahn. Heidi Feisthauer, Halstenbek

Die Ampelschaltung in Hamburg läuft nicht verkehrsgerecht. Jeden Morgen und Mittag fahre ich von Halstenbek in die Stadt hinein bzw. zurück. Alle 100 Meter steht die Ampel auf Rot. Es kommt nie ein richtiger Verkehrsfluß zustande. Es sollte nicht jeder auf ein Knöpfchen drücken können, um den gesamten Verkehr zu stoppen.

Elisabeth Hinrichs, Halstenbek Es fehlt seit Jahrzehnten ein Autobahn-Hamburg-Ring oder eine Schnellstraße. Außerdem halte ich die 30-Kilometer-Begrenzung für eine politische Fehlentscheidung, weil alle anderen Straßen dadurch überlastet werden. Auch die Ampelschaltung mit nur 4 bis 5 Sekunden Grünphase halte ich für eine Fehlplanung.

Carl-Walter Plückhahn

Man sollte in Hamburg nicht die Straßen immer enger machen, sondern endlich eine Umgehungsautobahn bauen, damit man nicht immer quer durch Hamburg fahren muß, um von einer Autobahn zur anderen zu kommen, oder um beispielsweise von Rahlstedt nach Pinneberg zu fahren. Edith Nagel, Hamburg 73

Ich finde, es werden zu viele Bäume auf den Fußwegen gepflanzt. Ein Baum nimmt zwei Autos den Parkplatz weg. Außerdem gibt es jetzt auch schon Bäume mitten auf der Straße.

Oswald Beblat

Ich habe einen Vorschlag zu machen, aber ich weiß nicht, ob er realisierbar ist: Man sollte die eine Hälfte der Kraftfahrzeuge mit grünen Plaketten versehen, die andere Hälfte mit roten Plaketten. An geraden Tagen dürften dann nur die Autos mit grünen Plaketten fahren, an ungeraden die mit den roten Plaketten. Damit wäre die Anzahl der Autos halbiert.

Ernst Gerken, Hamburg 26

Ich wohne in Groß-Borstel in der Stavenhagenstraße. Das ist eine kleine Straße, durch die täglich 23 000 bis 24 000 Autos fahren. Früher war es eine sehr ruhige Straße, aber in den 70er Jahren wurde sie anläßlich der Kieler Olympiade als Durchgangsstraße eingerichtet. Kurzfristig, hieß es damals. Aber es ist höchstens schlimmer geworden. Ab fünf Uhr morgens fahren die Lastwagen, man kommt überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Jetzt soll vom Flughafen her noch mehr Verkehr durch unsere Straße geführt werden. Eine Möglichkeit zur Abhilfe wäre, den Verkehr durch die Papenreye zu führen, das ist Industriegebiet. Aber bisher hat sich noch nichts getan. Frau Coolhaas, Groß-Borstel

Sie haben sechs Gründe für das Verkehrschaos in Hamburg gennant, ich meine, es gibt nur einen einzigen. In der Hamburger Behörde wird seit 40 Jahren die Verkehrsplanung schlichtweg versäumt. Nicht die Planer haben in dieser Zeit geschlafen, sondern die Politiker im Senat. Es gibt in Hamburg noch immer keinen Ring und keine Stadtautobahn.

Herward Ahrens, Norderstedt

Diese Zustände dauern schon seit Monaten an. Meines Erachtens will man die Autofahrer zwingen, auf das Auto zu verzichten. Erstens gibt es überall Baustellen, die das Vorwärtskommen erschweren. Zweitens werden immer mehr Betonpoller gebaut, die das Parken unmöglich machen. Diese Politik verurteile ich schon seit Jahren. Ein Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel ist auch nicht möglich, gerade für uns Ältere ist die U-Bahn einfach nicht sicher genug, wenn man abends aus dem Konzert kommt.

Hildegard Kukwa, Hamburg 65 Ich bin im Außendienst tätig und erlebe das täglich. Meiner Meinung nach sind die Mißstände auf eine verfehlte Verkehrspolitik zurückzuführen. Die SPD hat 1973 schon mit einer Hetzkampagne gegen Autofahrer begonnen. Die hochbezahlten Fachleute in der Baubehörde hätten diese Entwicklung unbedingt voraussehen müssen. Harald Reimers. Norderstedt