Friedrich Oetinger: Ein Leben für das Kinderbuch

Er begeisterte die deutschen Kinder für Pippi Langstrumpf und schuf damit das solide Fundament für einen der angesehensten Kinder- und Jugendbuchverlage: Friedrich Oetinger. Auf seinem Ruhesitz in Bayern ist der Hamburger Verleger im Alter von 79 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Friedrich Oetinger, Sproß einer württembergischen Familie, aber in Braunschweig geboren, war seit seiner Buchhändlerlehre mit Hamburg verbunden. Er arbeitete als Sortimentsbuchhändler, dann als Antiquar. Bei Ellermann wirkte er als Verlagsleiter. Bald nach dem Kriege, 1946, realisierte er seinen lang gehegten Wunsch: Mit wenig Geld bei knapper Papierzuteilung gründete er den Friedrich Oetinger Verlag, den er in harter Arbeit gemeinsam mit seiner Frau Heidi - sie ist als Seniorin des Verlagshauses noch heute aktiv - zum Erfolg führte. Das erste Buch, das er herausbrachte, war "Der Kinderknigge" von Professor Anton Tesarek.

Seine besondere Zuneigung zu Land und Leuten Skandinaviens seit Jugendjahren führte ihn mit Astrid Lindgren zusammen, nachdem er von dem unerhörten Buch "Pippi Langstrumpf' erfahren und sich in diesen Typ eines ?unangepaßten", die verknöcherten Erziehungsprinzipien in den Wind schlagenden Kindes vernarrt hatte. Pippi, es ist erstaunlich, gewinnt noch immer die Kinderherzen. Die Auflage geht weit in die Millionen. Astrid Lindgren, die große schwedische Erzählerin, hat dank Einsatz der Oetingers auch hierzulande ein hohes Ansehen gewonnen; bis zu

"Ronja Räubertochter" liegt ihr Werk in mustergültiger deutscher Fassung vor. Eine in jeder Hinsicht ersprießliche Freundschaft.

Der andere Autor, der mit den Oetingers früh zu populärem Ruhm kam, ist der jetzt in kanarischer Abgeschiedenheit arbeitende Helgoländer James Krüss. Mit dem "Leuchtturm auf den Hummerklippen" wurde begonnen. Das wundervolle Buch "Mein Urgroßvater und ich" sicherte Krüss' Renommee; dieser Band hat sich wie ?Pippi Langstrumpf' frisch wie eh gehalten.

Oetingers Verlagsprogramm ist schon in den Jahren des Aufbaus über Astrid Lindgren und James Krüss um heute so bekannte Autoren wie Paul Maar, Christine Nöstlinger, An Rutgers und die Rettichs (Margret und Rolf) erweitert worden. Friedrich Oetinger hatte im Sinn, vielen Kindern viele gute Bücher zu bescheren. pth

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