Das tragische Ende einer deutschen Weltrekordlerin

Der tiefe Fall der Christa Merten

HA Marbella - Sie war Weltrekordlerin über 1500 Meter. Sie war ein Star bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Christa Merten gehörte nicht nur zu den schnellsten Frauen der Leichtathletik, sie war auch eine der schönsten.

Jetzt starb die 41 Jahre alte Kölnerin im spanischen Marbella, wo sie seit 1982 mit ihrer Tochter Martina (17) lebte.

"Es war ein Unfall", erzählte ein Kölner Ehepaar dem Abendblatt gestern in Marbella. Die beiden wohnen neben dem Appartement von Christa Merten, das sie sich am weltberühmten Hafen Puerto Banus gekauft hatte.

Es war am Abend des deutschen WM-Spiels gegen Mexiko. Das Ehepaar hatte sich mit "Christina" und ihrem schottischen Lebensgefährten Leonard Flood (44), ein ehemallger Berufsboxer, der jetzt mit

Autos handelt, verabredet. ?Wir lachten, tranken zwei Flaschen Sekt und feierten den deutschen Sieg. Gegen vier Uhr morgens gingen Christa und ,Lemmy' dann in ihre Wohnung zurück.

Sie griff sich das Telefon, wollte den Apparat neben das Bett stellen. Die Schnur wickelte sich um ihren Knöchel, dabei stürzte sie. Christa schlug mit furchtbarer Wucht auf die Steinplatte auf und wurde kurz bewußtlos."

Am Morgen mußte Leonard Flood beruflich nach Gibraltar. Gegen 11 Uhr fand die Nachbarin Christa Merten im Bett. Ihr Gesicht war geschwollen und blau angelaufen. Sie klagte über Rippenschmerzen.

Am Nachmittag sprach Christas Tochter Martina die Nachbarn an: "Mutti geht es immer schlechter. Wir müssen sie ins Krankenhaus bringen."

Die Ärzte stellten nur eine schwere Gehirnerschütterung fest. Am nächsten Morgen wurde Christa Merten wieder entlassen.

Doch als es ihr nach 12

Ihre größten Erfolge

1971 lief die damals 27 Jahre alte Christa Merten in Berlln einen Weltrekord über 1500 Meter in der Halle (Zeit: 4:17,9 Minuten). Sie gehörte auch zur deutschen Weltrekord-Staffel über 4x800 Meter. Bei den Deutschen Meisterschaften wurde sie zweimal Vizemeisterin - über 800 und 1500 Meter. Sie startete für den AS V Köln und Bayer Leverkusen.

Tagen nicht besser ging, fuhr sie wieder in die Klinik. Diesmal untersuchten sie die Ärzte gründlicher und entdeckten ein Blutgerinnsel im Gehirn. Sie wurde sofort operiert, doch zu spät. Während der Narkose blieb ihr Herz stehen.

Christa Merten - das tragische Ende einer Spitzensportlerin.

Als sie 1974 von der Laufbahn auf den Laufsteg wechselte und als Fotomodell in Sporttrikots einer Unterwäschefirma von bunten Plakaten lächelte, war ihre Karriere zu Ende.

Auch ihre Ehe mit dem Kölner Bauunternehmer Egon Merten ging in die Brüche. "Ich will nicht nur als Hausfrau am Herd stehen", sagte sie einmal. Sie setzte sich in ihren Porsche und fuhr mit Tochter Martina, damals 13 Jahre alt, an die Costa del Sol.

Die lebenslustige Christa, inzwischen nannte sie sich Christina, war Stammgast auf den Partys der Schickeria. Nächtelang feierte die blonde Frau mit der Mannequin-Figur in Marbellas eleganter Disco "Regine".

1984 war sie zuletzt in Deutschland, als Ehrengast beim Kölner Sportpressefest. Ellen Tittel, die heute mit Dr. Thomas Wessinghage verheiratet ist, war in der aktiven Zeit ihre beste Freundin. Sie erinnert sich: "Wir haben nur wenig miteinander gesprochen. Aber Christa war braungebrannt, sah sehr gut aus."

Doch das änderte sich in den letzten beiden Jahren. Die 800-Meter-Olympiasiegerin von München, Hildegard Falck-Kimmich, erzählt von einem Besuch in Marbella: "Die Christa hatte unheimlich zugenommen und machte keinen guten Eindruck.,"

Zuletzt arbeitete sie in der Diskothek "Joy Club", wo sie für 800 Mark an der Bar Drinks mixte. Eine Freundin aus Kölner Zeiten: "Ich habe sie nur noch an ihrer Stimme erkannt."

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