Kohl schickte eine Grußadresse

15 000 Soldaten in den Herbstmanövern

dpa Hamburg - Im Norden und Süden der Bundesrepublik haben gestern umfangreiche Herbstmanöver begonnen. Insgesamt nehmen 115 000 Soldaten daran teil.

In Schleswig-Holstein leitete die Landung von Truppen in der Eckernförder Bucht noch vor Tagesanbruch das Manöver "Bold Guard" (Kühne Wacht) ein. An der Übung nehmen rund 65 000 Soldaten aus fünf Ländern mit über 17 000 Fahrzeugen teil. Bei dem Landemanöver werden rund 4500 Soldaten (Infanterie, Artillerie und Pioniere) herangebracht.

Die Mitwirkung der "United Kingdom/Nederlands Landing Forces" soll außerdem den Sinn haben, ?potentiellen Gegnern zu zeigen, wie schnell die Staaten der Nato auf politische Repressionen

reagieren können".

Unter dem Namen "Fränkischer Schlld" begann in Unterfranken und in nördlichen Teilen Baden-Württembergs die größte Übung der Bundeswehr. Über 50 000 Soldaten sind bei dem Manöver im Einsatz. Die Truppeneinheiten verfügen über 3400 Ketten- und 14 000 Radfahrzeuge sowie über 220 Flugzeuge.

Bundeskanzler Helmut Kohl äußerte in einer Grußadresse an die Manöverbeteiligten die Zuversicht, daß die Soldaten zum Gelingen der Übungen beitragen werden.

Die erstmalige Teilnahme der Franzosen am Manöver "Fränkischer Schild" nannte der Kanzler "einen überzeugenden Beitrag zur Festigung des westlichen Bündnisses". Frankreich hat eine Brigade einem deutschen Kommando unterstellt.

Als Hauptzweck von "Bold Guard" bezeichnete der Befehlshaber der NATO-Streitkräfte Ostseezugänge, der dänische Generalleutnant Nüs- Aage Rye Andersen, die Zusammenarbeit aller Verbände.

Andersen sagte, daß es um die Demonstration konventioneller Verteidigungsfähigkeit in den ersten Tagen eines Angriffs gehe. Vorrangig sei der Schutz des gesamten Raumes Schleswig-Holstein/ Jütland, womit gleichzeitig ein Übergriff möglicher Gegner auf die Nordsee und auf den Atlantik verhindert werden soll.

Zwischenfälle gab es bisher kaum. Erstmalig wird das Manöver in Schleswig-Holstein von einem Computer gesteuert. Einmalig ist auch die Benutzung einer Datenbank, die nicht nur jedes Schlagloch registriert, sondern die Belastbarkeit der Fahrbahnen und Brücken sowie die Enge von Ortsdurchfahrten auswirft. 72 Eisenbahnzüge wurden eingesetzt, um die 1200 Panzer in ihre Übungsgebiete zu bringen. Das spart Treibstoff und schont die Umwelt.

Gestern trafen in Schleswig rund 31 hochrangige Militärs aus insgesamt 15 Staaten des Warschauer Paktes und blockfreien Ländern als Beobachter des Herbstmanövers ein. Auch in Süddeutschland sind Militärbeobachter aus dem Ostblock zugegen.

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