Wenn Lehrer Lange für die Bundeswehr die Schule schwänzt:

Der "Weltmeister im Wehrüben"

Die Ferien verbringt Gerd Lange im Gelände, um sich auf das nächste Manöver vorzubereiten. An den Wochenenden ruft er sein Offizierskorps zur Weiterbildung zusammen. In der Freizeit studiert der 45jährige in der Schreibstube Befehle. Doch Gerd Lange ist kein Berufssoldat - er unterrichtet als Lehrer an einer Hamburger Realschule. Mindestens vier Wochen im Jahr jedoch dient der "Weltmeister im Wehrüben" bei der Bundeswehr. Seit elf Jahren ist der Junggeselle

Vorgesetzter von 678 Soldaten der Reserve, inzwischen absolviert er seine 46. Wehrübung. "Andere Leute feiern krank. Ich bin dafür bei der Bundeswehr und fehle sonst nie in der Schule", erklärt der 45jährige zu seinem Einsatz. Nach Angaben der Bundeswehr opfern immer mehr Reservisten ihren Jahresurlaub, um an Wehrübungen teilzunehmen. Ohne dieses "stille Opfer" kommt die Bundeswehr nicht mehr aus, schildert der Kommandeur des Verfügungstruppenkommandos 41, Oberst Willi Stemmer, aus Schleswig, der in diesen Tagen zwischen Flensburg und Itzehoe, Hamburg und Eckernförde mehr als 1900 Soldaten der Reserve für das NATO-Manöver "Bold Guard" mobil macht. "Disziplin und Motivation stimmen", sagt Stemmer, der die ihm unterstellten Brigaden und Regimenter als "voll einsatzfähige Verbände" beschreibt. Die Reservisten seien "gestandene Männer mit der offenen Bereitschaft zur konstruktiven Kritik". lno

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