Meister der süßen Zunft

Vergäbe der weltberühmte Gastronomieführer "Michelin" Sterne auch für die Zuckerbäcker - Adolf Boy Andersen (50), stellvertretender Obermeister der Hamburger Konditoren-Innung, hätte gleich drei verdient. Kaum ein renommiertes Feinschmecker-Journal, das ihn und seine Produkte nicht vorstellte und dabei über den grünen Klee lobte, was aus der Wandsbeker Backstube kommt.

Mit seiner leichten Himbeer-Sahnetorte hat er die füllige "Sacher" längst auf die Plätze verwiesen, und auf der von Fachleuten des süßen Handwerks aufgestellten Rangliste steht Andersen inzwischen in der Reihe der zehn besten Konditoren Europas.

Der Umgang mit Zucker, Mehl, Marzipan, Butter und Eiern hat bei den Andersens Tradition. Bereits 1914 gründete der Großvater den ersten Betrieb, inzwischen beschäftigt der Enkel im Wandsbeker Haupthaus und in den Filialen Glinde und Hamburger Hof 130 Mitarbeiter. 21 Auszubildende lernen bei Adolf Andersen, seit 1971 Vorsitzender der Prüfungskommission, ihr Handwerk so, wie es nicht mehr überall gelehrt wird.

Von den Pralinen über die Schokolade bis zu Brötchen und Kopenhagenern ist alles Eigenproduktion, industrielle Fertig-Mixturen aus der Tüte gibt es nicht, und Farbtöpfe sucht man in der Backstube vergeblich. Nicht einmal beim Marzipan macht Andersen da irgendwelche Konzessionen. "Marzipan", sagt er, "ist nun einmal nicht gelb, grün oder rot. Ich lehne es deshalb ab, ein gutes, natürliches Produkt einzufärben."

Trotz der Größe des Betriebes steht Adolf Andersen - er hat in Braunschweig gelernt und 1960 in Wolfenbüttel die Meisterprüfung abgelegt jeden Morgen in seiner Backstube.

Erholung findet der Zuckerbäcker beim Angeln und bei der Bienenzucht. Außerdem: Der Konditormeister kocht leidenschaftlich gern, ab

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