Peter Striebecks Abgang mit der Frau des Bäckers

Seine fünfjährige Amtszeit als Intendant des Thalla Theaters beendete Peter Striebeck vor einem Jahr mit einer Aufführung, bei der er sich selber noch einmal als Schauspieler empfahl: mit der Provinz-Posse "Die Frau des Bäckers" von Marcel Pagnol (1895-1974). Er spielte den sympathischen Bäcker Aimable ("Der Liebenswürdige"), dem das ganze Dorf in seiner südfranzösischen Heimat bei den Kümmernissen mit seinem ungetreuen Eheweib unter die Arme greift. Freilich nicht ganz uneigennützig, sondern aus Sorge um das tägliche Brot . . .

Diese Abschiedsvorstellung wurde am Thalia-Theater von dem vielseitigen Dieter Wedel inszeniert, der sich allerdings

hauptsächlich mit Fernsehsendungen einen Namen gemacht hat ("Einmal im Leben", "Das Rentenspiel"). Wedel hat schlleßllch auch bewirkt, daß die Theateraufführung zugleich für den Bildschirm produziert wurde. Er wollte damit wohl an die Tatsache erinnern, daß "Die Frau des Bäckers" ursprünglich (1938) ein Kinofilm war und nur zögernd die Bühnenbretter eroberte.

Die Kritik war nach der Hamburger Aufführung uneinig wie selten. Die einen lobten Striebecks Darstellerkraft, die anderen fanden Wedels Inszenierung etwas zu oberflächlich. "Friedliches, etwas altmodisches Unterhaltungstheater" hieß es da, und: "Dieter Wedel setzte eine ziemlich trockene, wenig einfallsreiche Inszenierung hin". Die Kritikerin des Hamburger Abendblatts allerdings freute sich über eine "harmonische Aufführung, die den ganzen Zauber, die Wärme und die Eigenheiten südfranzösischer Landschaft und Leute ausstrahlt". Dieter Wedel sei es gelungen, in eigener Textbearbeitung "eine effekt- und ungemein stimmungsvolle Aufführung" abzuliefern, die nach anfänglichen Längen "zum lebendigen Dorfgemälde mit behutsam anrührendem Ausklang wurde".

AUseits gelobt wurde das Bühnenbild von Kathrin Kegler, von dem hoffentlich auch auf dem BUdschirm noch etwas überkommt. (ARD, 23 Uhr) I. M.

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