Fünf Fehlschüsse - da fiel Angerer auf Platz drei zurück

Von Moriti von Groddeck Friedenweiler - Unser blonder Goldjunge aus Hammer muß auf einen Auerhahn im schwarzen Tann gezielt haben. Beim 20-km- Rennen der Deutschen Biathlon-Meisterschaften in Friedenweüer lag Olympiasieger Peter Angerer vor der letzten Schießeinlage fast uneinholbar in Front: Null Schießfehler bis dahin und pfeüschnell in der Loipe . . . Aber dann Entsetzen - fünf Schüsse peitschten aus Angerers Waffe, aber alle fünf Scheiben blieben schwarz. Fünf Fehlschüsse, fünf Strafminuten. Vorbei war es mit dem mögüchen neunten Titelgewinn im Einzelwettbewerb. Deutscher Meister wurde Ernst Reiter aus Siegsdorf vor Fritz Fischer aus Ruhpolding.

Man hat den blonden Naturburschen noch nie so sauer gesehen wie nach dieser Niederlage. Wortlos verschwand Angerer im Wald. "Jetzt sucht er den angeschossenen Auerhahn", vermutete ein Zuschauer, dem

der Olympiasieger den Autogrammwunsch abschlug. Als er wieder zum Vorschein kam, erläuterte Angerer den Grund seines ungewohnten Verhaltens: "Ich wollte überhaupt nicht bei dieser Meisterschaft starten, weü dieser Start nicht in meine WM- Vorbereitung paßt. Ich hätte viel Ueber in Südtirol trainiert. Aber man hat mich praktisch zum Start gezwungen und jetzt diese Pleite. Da soll man sich schon ärgern."

Sportdirektor Weinbuch, vermutlich die Zielscheibe von Angerers Zorn, nahm die Niederlage seines Stars gelassen: "Eine verpatzte Generalprobe verspricht eine gute Vorstellung." Trainer Jürgen Seifert sieht das nicht so simpel wie sein Sportdirektor: "Dieses Versagen belastet Angerer mit Sicherheit für einige Zeit. Es ist nie einfach, einem Athleten in solcher Situation das Selbstvertrauen zurückzugeben."

Das ist das Vertrackte an der Skijagd, dem Sport der WUddiebe, wie die Athleten mit gutmütigem Spott titu- Uert werden. Da gibt sich der Athlet voll aus und muß dann viermal fünf schwarze Punkte weiß schießen. Die Anstrengung treibt den Puls auf über 200. Dies wäre zu hoch, um ruhig zu schießen. Und so heißt es auf den letzten Metern vor dem Schießstand, tief durchzuatmen und sich auf das Schießen zu konzentrieren. Angerer gelang es dreimal hervorragend, zweieinhalb Küometer vor dem Ziel nicht mehr.

Seine Fans waren enttäuscht. Pfarrer Lederer, Hirte für 500 kathoüsche Schäfchen im 600-Seelen-Dorf, dagegen war begeistert: "Toll, so etwas Uve zu erleben. Man sieht, wie dicht Erfolg und Mißgeschick nebeneinander hegen." Der Deutsche Meister Ernst Reiter konnte sich nicht so richtig freuen. Er fährt nicht mit zur WM in 14 Tagen. Seine Resultate im Weltcup, den Angerer mit 30 Punkten anführt, waren zu schwach. "Für einen WM- Start würde ich diesen Meistertitel gern hergeben", sagte der Siegsdorfer traurig.

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