Ein Blick in die Zukunft für 240 Millionen Mark - Das Ende der Parkplatznot in der Hamburger City

Pläne für ein Parkhaus unter der Binnenalster

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Öffentliche Aufträge - privat finanziert: So - genau wie bei dem geplanten Tunnel zwischen Großbritannien und Frankreich - möchte das Architektur- und Ingenieurbüro Hamburgplan ein gigantisches Projekt unter der Binnenalster verwirklichen: Eine Tiefgarage mit 4000 Stellplätzen soll helfen, die Parkplatzprobleme in der City fast auf einen Schlag zu lösen. Die Kosten werden auf 200 bis 240 Millionen Mark geschätzt.

Unter dem westlichen Tell der Binnenalster, vor dem Hotel "Vier Jahreszeiten", soll nach diesen Plänen die Parkgarage auf einer Fläche von 280 Metern Länge und 165 Metern Breite, so groß wie acht Fußballfelder, in einer offenen Baugrube bis zu 13 Meter unter dem Wasserspiegel der Alster gebaut werden. Hamburgplan hat Erfahrungen mit großen Tiefbauprojekten: Die Atomteilchen-Schleuder HERA beim Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg-Bahrenfeld und ein Teil der City-S-Bahn wurden von der international tätigen Gruppe geplant.

Die gewaltige Anlage würde, wie Ingenieur Dr. Günter Timm vom Hamburgplan-Büro Windeis/Timm sagt, das Stadtbild kaum stören: Zu- und Ausfahrten lägen an der Kennedy-Brücke sowie vor dem "Vier Jahreszeiten".

Ein Tell der Kosten könnte aus den Beträgen bestritten werden, die die Stadt an Ablösesummen für Stellplätze kassiert hat, mittlerwelle rund 22 Millionen Mark, sowie aus Bundesmitteln für Zivllschutzräume. "Schon bald" würden Banken dem Senat einen Finanzierungsplan vorlegen. Bis zu 150 MüUonen Mark könnten die privaten Mittel betragen. Die Amortisationszeit wird von Dr. Timm mit "mindestens 30 Jahren" angegeben. Selbst wenn sich die Pläne nicht umgehend verwirkllchen lassen würden, müsse man fertige Unterlagen parat haben, um im Bedarfsfall sofort antreten zu können.

Die Baubehörde steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Neben der Finanzierungsfrage sei auch zweifelhaft, ob die Straßen um die Binnenalster den zusätzlichen Verkehr aufnehmen könnten. Schon jetzt sei zum Beispiel der Knotenpunkt Esplanade/Alsterufer überlastet. Probleme würde es auch mit den aus der Tiefgarage kommenden Abgasen geben. Aus Erfahrung könne man sagen, daß sich die Kapazität eines Parkhauses tägllch viermal umschlage. Das würde 16 000 zusätzliche Fahrzeuge in diesen Bereich ziehen. Dagegen glaubt Dr. Timm, diesen Verkehr ohne Probleme leiten zu können.

Hartwig Serchinger von der Handelskammer schätzt die Verwirkllchungschancen als "recht gering" ein. Doch die Tiefgarage wäre eine der größten Europas und weltweit die erste in dieser Größe unter dem Wasser. London hat eine noch größere Tiefgarage unter dem Hyde-Park, Genf ebenfalls ein großes unterirdisches Parkhaus in der Innenstadt. gra/lno

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