Das Ende der "Nutella"-Bande

Die Kripo-Spezialdienststelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminahtät hat fünf Zuhälter und Wirtschafter der früheren "Nutella"-Bande von St. Pauli verhaftet. Hans-Peter J. (29), Paul Seh. (27), Raimond R. (31), Ernst F. (32) und Robert Z. (24) sollen jahrelang Prostituierte ausgebeutet, mit rüden Methoden zur Arbeit angehalten und sie nach festgelegten Regeln kontrolliert haben.

Bei einer Großrazzia, an der 94 Polizisten teünahmen, wurden neun Wohnungen von Verdächtigen sowie die Bordelle "Colonia 1", "La Rouge" und "Sunshine" im Eros-Center sowie der "Club 95" an der Reeperbahn durchsucht. Die Beamten stellten schriftliche Aufzeichnungen sicher. Die Ermittlungen, die schon seit Monaten unter strenger Geheimhaltung liefen, werden möglicherweise erheblich ausgedehnt.

Die Bande hatte seit Anfang der 80er Jahre immer wieder für Schlagzeüen gesorgt: In ihr verbündeten sich vor allem jüngere Zuhälter, die nach Meinung der älteren noch viele Brote mit Nuß-Nougat-Creme essen mußten, um "groß und stark" zu werden - daher der Name "Nutella-Bande". Die Jüngeren machten den Etablierten, vor allem der sogenannten "GMBH-Bande", die Vorherrschaft auf dem Kiez streitig.

Auf St. Paull brach ein blutiger "Zuhälter-Krieg" aus: Die beiden "Nutella"-Angehörigen Jürgen B. und Klaus B. wurden im Oktober 1982 im Eros-Center erschossen, als sie zusammen mit einem bekannten Karate-Kämpfer von anderen Zuhältern 2000 Mark "Schmerzensgeld" für das blaue Auge einer Prostituierten kassieren wollten. Es waren aber nicht die

einzigen Toten: der Zuhälter Fritz Schroer ("Chinesen- Fritz") wurde im Lokal "Ritze" am Palais d'Amour von einem Küler erschossen, der St. Pauli- Kaufmann Dieter M. in Plön umgebracht, das "Nutella"-Mitglied mit dem Spitznamen "Teeny-Klaus" an der Reeperbahn erschossen, ein Lokalbesitzer auf offener Straße überfahren und getötet, der St. Pau- U-Geldverlemer Heinz-Dieter Förster ebenfalls umgebracht.

Nicht zuletzt wegen solcher Unterwelt-Kriege büdete die Pollzei die Spezialdienststelle FD 65 "Organisierte Kriminalität" und richtete 1983 in der Davidwache auch ein Kripo- Fachkommissariat für den Kampf gegen Zuhälterei und Menschenhandel ein. Bald lösten sich Banden wie "Nutella" und "GMBH" vorsichtshalber auf, um nicht als "kriminelle Vereinigung" belangt zu werden, wie es den Hell's Angels- Rockern ergangen war. Doch von ihren verbotenen Geschäften mochten die "Nutella"-Zuhälter offenbar nicht lassen.

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