"DDR"-Komponist Rainer Kunad bleibt im Westen

Der Komponist Rainer Kunad, der mit seinen Angehörigen im Oktober 1984 aus Gründen der Familienzusammenführung die "DDR" verließ, hat sich endgültig entschlossen, in der Bundesrepublik Deutschland zu bleiben. Wie er am Freitag im Anschluß an die - vom Publikum zwiespältig aufgenommene - Kasseler Premiere seiner Oper "Amphitryon" auf Anfrage erklärte, habe er beim Kulturministerium der "DDR" den Antrag gestellt, ihn aus der "DDR"-Staatsbürgerschaft zu entlassen. Rainer Kunad hatte im vergangenen Oktober zunächst ein auf ein Jahr befristetes Visum erhalten, das ihn zur mehrmaligen Aus- und Einreise in die "DDR" berechtigte.

Der 48jährige Musiker, der in Chemnitz (heute Karl-Marx-Stadt) geboren wurde, zählt zu den erfolgreichsten "DDR"-Komponisten. Seit 1971 war er dramaturgischer Mitarbeiter der Deutschen Staatsoper Berlin, er ist Nationalpreisträger, Mitglied der Akademie der Künste der "DDR" und wurde 1978 als Professor für Komposition und Vokalsymphonik an die Dresdner Musikhochschule berufen. Seine 1969 in Dresden uraufgeführte komische Oper "Maitre Pathelin oder Die Hammelkomödie" erlebte vor einem Jahr am Kieler Opernhaus seine erfolgreiche westdeutsche Erstaufführung. schaef

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