Lu Kunfeng: Kunst ist zum Genießen da

Umgeben von einem Kreis interessierter Zuschauer und von fein gezeichneten chinesischen Rollblldern längst vergangener Zeiten, führte der Maler Lu Kunfeng (51) in der Ostasiatischen Abteüung des Museums für Kunst und Gewerbe vor, wie ein Bild in der Jahrhunderte alten Tuschtechnik entsteht. Den Pinsel am oberen Ende kurz gefaßt, zog er geschwind und konzentriert Linien aufs Papier. Mit drei Strichen war ein meisterllcher Bambus- Stamm fertig.

Kunfeng ist einer der fünf klassischen chinesischen Maler der Gegenwart, deren BUder zur Zeit in Stuttgart zu sehen sind. Vermittelt wurde die Wanderausstellung von dem dortigen Institut für Auslandsbeziehungen und der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft, die Lu auch nach Hamburg eingeladen hat.

Auf die Frage, warum er mit seiner Malerei in den Grenzen der Tradition verharre, antwortete Lu: "Das Publlkum verlangt diese Art Malerei". Es interessiere sich nicht für des Künstlers persönhche Gedanken und Gefühle, die dem Europäer ein BUd erst ansprechend erscheinen lassen. Von der Kunst erwarte es positive Inhalte in ästhetischer Darstellung.

Kunst ist zum Genießen da - in China. Dem kommen die Maler mit den drei Disziplinen der Menschendarstellung, der Landschaft, sowie der Pflanzen- und Tiermalerei nach. Lu hat in der Provinz Zhejiang, in deren Hauptstadt Hangzhou er an der Kunsthochschule lehrt, den Vizevorsitz in der Forschungsgesellschaft für Blumen- und Vogelmalerei.

Vor dem Erstarren in der Überüeferung bewahrt er seine Kunst durch einige Änderungen in der Komposition oder auch im Farbauftrag. Die berühmte Leere der asiatischen BUder fullt er fast restlos aus. Das Detail wird zum alleinigen Motiv, der Wirkllchkeitsausschnitt schrumpft. Auf europäischen Einfluß gehen das Modeüieren mit der Farbe und die Andeutung der Tageszeit durch das Licht zurück. So tragen die "Blätter im Wind" und der "Vogel im Flug" doch geringe Spuren der Moderne. EVELYN PREUSS