Ein Stück neue U-Bahn-Strecke

Premierenfahrt nach Niendorf

Der erste U-Bahnzug mit Fahrgästen fuhr gestern von Hagenbecks Tierpark auf der neuen Strecke bis zur vorläufigen Endstation Niendorf Markt. Unter den Ehrengästen waren die Senatoren Volker Lange und Eugen Wagner.

"Gesteuert" wurde der Premierenzug - wie bisher auf allen Neubaustrecken der U-Bahn - von Abendblatt-Redakteur Egbert A. Hoffmann, der bereits vor 20 Jahren als Straßenbahn-, U-Bahn- und Busfahrer ausgebildet wurde. Da die Stromschiene noch nicht unter Spannung steht, bestand der Zug aus einer Diesellok und einem Oldtimerwagen aus den zwanziger Jahren. Nur zwei dieser Wagen blieben erhalten.

Die neue Strecke ist knapp 3,5 Kilometer lang und ausschließlich unterirdisch. Die Station Niendorf Markt hat nicht die üblichen Kacheln als Wandverkleidung, sondern gemauerte Reliefs von Giebeldachhäusern. Mit dieser Dekoration ist es eine der attraktivsten unterirdischen U-Bahnstationen Hamburgs. Die beiden Ausgänge führen zur Fußgängerzone Tibarg. Nördlich der Haltestelle gibt es drei unterirdische Abstellgleise.

Einzige Zwischenstation ist die Haltestelle Hagendeel mit schmalen Seitenbahnsteigen und lediglich einem Zugang. Ursprüngüch sollte sie gar nicht gebaut werden, weil in ihrem "Einzugsbereich" nur wenige Hamburger wohnen.

Die Hochbahn erwartet hier höchstens 400 bis 500 zu- und aussteigende Fahrgäste täglich. Mit dichter Besiedelung ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, weil die Einflugschneise für Fuhlsbüttel über die Haltestelle hinwegfuhrt. Dennoch bestanden die Politiker auf dem Bau.

Die Verlängerungsstrecke wird zum Sommerfahrplan am 2. Juni 1985 für die Linie U 2 eröffnet. Nach Angaben von Bausenator Eugen Wagner kostete die Strecke insgesamt 135 Millionen Mark, wovon der Bund 70 Millionen übernahm. Der letzte Abschnitt der Strekke von Niendorf Markt bis Nordalbinger Weg in Niendorf Nord (2,4 Kilometer, drei Stationen) wird 1990 betriebsfertig. Im selben Jahr soll auch die U 3- Verlängerungsstrecke

Merkenstraße-Mümmelmannsberg fertig sein.

"Mit der Erweiterung des U- Bahnnetzes im Nordwesten der Stadt", sagte Wirtschaftssenator Volker Lange, "bedienen wir ein Gebiet, in dem 30 000 Menschen wohnen. Als nächstes wollen wir dann eine U-Bahnstrecke von Barmbek nach Steilshoop bauen." Hochbahndirektor Professor Hans Hermann Meyer sagte, die Fahrzeit von Niendorf Markt zum Jungfernstieg verkürze sich, verglichen mit der Buslinie 102, von 28 auf 19 Minuten. Die Hochbahn erwartet von Juni 1985 an mindestens 6000 zusätzliche Kunden am Tag in den U-Bahnzügen. hn