Der neue Ölfänger "Bottsand" von Lflhring soll in Kiel stationiert werden

Ein Klappschiff schützt die Ostsee

seh. Brake - Der Schutz der deutschen Küsten bei Ölunfällen wird erneut verbessert. Am kommenden Dienstag, einen Tag vor Beginn der Internationalen Nordseeschutzkonferenz in Bremen (31. 10. bis 1. 11.), wird ein neues Ölfangschiff in der Hansestadt getauft. Vom 1. bis zum 4. Oktober wird die "Bottsand" dann während der "Tage der offenen Schiffe" zusammen mit dem Spezialschiff "Mellum" und den Abschöpfgeräten "Nobiskrug" und "Sarstedt" der Öffentlichkeit vorgestellt

Der Neubau von der Werft C. Lühring in Brake (B.-Nr. 8303), den der Bund und die vier Küstenländer bestellt hatten, kostete 12,8 Millionen Mark. Davon tragen Bund und Länder 7,9 Millionen Mark, den Rest stellt das Bundesforschungsministerium bereit Das neue Schiff gehört zum 100-Millionen-Mark- Programm zur Beschaffung von Geräten zur Ölbekämpfung.

Die "Bottsand" ist die große Schwester des Lühring-Typschiffs "Thor" (175 BRT/250 tdw), das Anfang 1982 in Dienst gestellt wurde. Seit März vergangenen Jahres setzt die Reederei Jade-Dienst in Wilhelmshaven diesen Spezialisten als Tanker ein. Sie muß das Schiff aber jederzeit für die Ölunfall-Bekämpfung freistellen. Auch die "Bottsand" bekommt einen festen Stützpunkt. Sie wird in Kiel stationiert und z. B. zum Abpumpen von Altöl von Schiffen der Bundesmarine eingesetzt.

Der neue Ölfänger (499 BRT/650 tdw) ist wie die "Thor" als Klappschiff konstruiert. Bei einem Einsatz in der ölbekämpfung wird der Rumpf in der Mitte geteilt. Ein Gelenk am Heck des Schiffes ermög- Ucht einen öffhungswinkel der beiden Hälften von 65°, durch die 42 Meter breite Öffnung fließt ein Ölteppich wie durch einen Trichter zu den Schöpfeinrichtungen.

Die Leistung des neuen Spezialschiffs richtet sich vor allem nach der Stärke des ölteppichs, der beseitigt werden muß. Bei einer zwei Millimeter dicken Ölschicht und einer Geschwindigkeit der "Bottsand" von 1,8 Stundenkllometern sammeln sich zwischen den Rumpfhälften stündllch rund 140 cbm Wasser-Öl-Gemisch. A.bscheidesysteme trennen das Öl vom Wasser und saugen es in die sechs Ladetanks, die 790 cbm fassen. Das Wasser wird ansclüießend über Bord gepumpt

Die Klappschiffe, die von der Lühring-Werft und dem Hamburger Ingenieurbüro Schiffko entwikkelt wurden, sind vielseitig. Sie können Feuerlöschpumpen antreiben, als Bunkerschiffe dienen und als Tonnenleger eingesetzt werden. Die ruhige Wasserflache zwischen den aufgeklappten Rumpfhälften soll die Arbeit an Seezeichen erleichtern.

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