Tarüverhandlungen gehen aber weiter

Hoffnung auf rasche Einigung erfüllte sich nicht

dpa/ap Stuttgart/Düsseldorf - Im Tarifkonflikt der Metallindustrie sind die Positionen unverändert weit auseinander. Im zentralen Streitpunkt - der Wochenarbeitszeitverkürzung für alle Metall-Beschäftigten in Richtung 35 Stunden - bewegten sich beide Seiten gestern bei den Stuttgarter Verhandlungen keinen Millimeter aufeinander zu. Dagegen zeigen sich die Druck-Verhandlungs-partner weiter optimistisch. Die Gespräche wurden auf Pfingstmontag vertagt

Die Metall-Tarifparteien wollen sich heute wieder treffen. Gestern hatte die Gewerkschaft einen neuen Vorstoß zur Beilegung des seit vier Wochen andauernden Arbeitskampfes gemacht und einen Einstieg in die 35-Stunden-Woche vorgeschlagen, deren endgültige Einführung an die Entwicklung der Arbeitslosigkeit gekoppelt werden soll. Danach sollte die Arbeitszeit bis Ende 1986 auf 37 Stunden gesenkt werden und 35 Stunden von 1989 an gelten, wenn Ende 1987 die Zahl der Arbeitslosen nicht unter 500 000 gesunken sein sollte.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hans-Peter Suhl, bezeichnete das Angebot als nicht bezahlbar und als den "völlig falschen Weg". Der Vorschlag sei sogar "dahingehend verschärft" worden, daß bei einem "erkennbaren Fehlschlag dieser Polltik" 1987 "noch ein weiterer Schritt in die falsche Richtung getan werden" solle.

Die Arbeitgeber bestünden weiter auf Festschreibung der Wochenarbeitszeit von 40 Stunden und wollten nur partiell für Schichtarbeiter und besonders belastete Berufsgruppen auf 38 Stunden zurückgehen. Generell meinte Stihl, beide Seiten hätten sich in den vergangenen drei Tagen aufeinander zubewegt

Der IG-Metall-Bezirksleiter Ernst Eisenmann warf den Arbeitgebern vor, sie hätten nur ihre "barsche Ablehnung" bekundet. Der bleibende Verhandlungsspielraum sei "sehr eng".

Fortsetzung Seite 2

Fortsetzung von Seite 1 Der Vorstand der IG Metall hat gestern in Stuttgart "alle kalt ausgesperrten IG-Metall-Mitglieder" aufgefordert, sich und ihre Familien bei ihrer zuständigen Krankenkasse für die Dauer der kalten Aussperrung weiterzuversichern. An den entstehenden Kosten wolle sich die Gewerkschaft beteiligen.

Nach Angaben von Gesamtmetall haben alle regionalen Metall-Arbeitgeberverbände Grundsatzbeschlüsse zur Ausweitung der Aussperrung gefaßt Entscheidungen seien allerdings vorerst ausgesetzt worden. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) schließt eine Beteiligung an Solldaritätsstreiks nicht aus.

Für neue Formen sozialer Partnerschaft statt des

ggenwärtigen Streiks t sich derPräsident des Bundesverbandes Metall, Rolf Hasenclever, ausgesprochen. Die vielen Zu- Ueferer im Maschinen-

Tarif-Gespräche werden fortgesetzt

und Werkzeugbau sahen sich in ihrer Existenz bedroht: "Unsere mittleren und kleinen Unternehmen löffeln die Streiksuppe aus."

Wenn am Pfingstmontag die Tarifparteien der Druckindustrie in Düsseldorf ihre Verhandlungen unter Vermittlung des westfälischen CDU- Vorsitzenden Kurt Biedenkopf fortsetzen, wollen sie sofort mit der Sachdiskussion beginnen. Die Phase der Strukturierung der umstrittenen Punkte sei abgeschlossen, sagte gestern der Vorsitzende der IG Druck und Papier, Erwin Ferlemann. Dagegen meinte der Verhandlungsführer des Bundesverbandes Druck, Manfred Beltz Rubelmann: "Die schwierigsten Probleme Uegen noch vor uns." Vermittler Kurt Biedenkopf sagte: "Ich bin mit dem Seegang zufrieden, wir halten Kurs." Die Gewerkschaft setzte unterdessen den Arbeitskampf fort

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