Hundert Skifahrer in Gondeln eingeschlossen

"Nach zwei Stunden bekam ich Angst und begann zu schreien"

SAD Lugano - Die "längste Nacht ihres Lebens" verbrachten rund 100 Skiurlauber in 40 Gondeln der Monte-Tamaro- Sellbahn, die plötzüch in luftiger Höhe stehengeblieben war. Hilflos eingeschlossen in ihren Gefängnissen, mußten Touristen, die abends ins Tal wollten frierend in fünf bis 60 Metern Höhe über dem Berghang verbringen, bis der letzte von ihnen nach zwölf Stunden am frühen Morgen von Hubschraubern gerettet wurde. Der Präsident des Verwaltungsrats der Seübahn schüeßt nicht aus, daß der Defekt am Antriebsmotor auf einen Sabotageakt zurückzuführen ist.

Bei strahlendem Sonnenwetter waren etwa 2500 Sküäufer auf die Hänge des fast 2000 Meter hohen Monte Tamara zwischen Lugano und dem Lago Maggiore gezogen, die als Hauptskigebiet des südüchen Tessins gelten. Als der Rückkehrerstrom voll einsetzte, fiel der

Antriebsmotor der Seübahn aus, die von der über 1500 Meter hohen Bergstation nach Rivera ins Tal führt. Erst als die Techniker bis nach 18.00 Uhr vergebüch versucht hatten, die Maschine wieder in Gang zu setzen, wurde Alarm gegeben. Einige Passagiere aus Kabinen in Bodennähe konnten zunächst mit Leitern geborgen werden. Für die übrigen 90 mußten zwei Hubschrauber der Schweizerischen Rettungsflugwacht eingesetzt werden, die sie vorsichtig nacheinander mit Seüwinden aus ihrer mißüchen Lage befreiten.

"Nach zwei Stunden bekam ich Platzangst in der Gondel. Ich begann zu schreien", erzählte die 23jährige Gabriella R. aus Lugano nach ihrer Rettung. Die Benjer Hausfrau Hüde F. sagte nach durchfrorener Nacht: "Zwei Kinder, mit denen ich eingeschlossen war, mußten in der engen Kabine ihr .Geschäft' verrichten." Andere Urlauber erheben schwere Vorwürfe gegen die Seübahn- Gesellschaft, die nach ihrer Meinung zu spät mit den Rettungsarbeiten begonnen hat.

Der schwarze Tag in der Geschichte der Seübahn vertief so:

Gegen 16.30 Uhr fiel der Motor aus, der die 120 Kabinen mit je vier Personen t ransportiert. Im Bergrestaurant auf 1530 Meter Höhe warteten noch 200 Personen auf die Talfahrt.

Um 18.30 Uhr, als es schon kalt und dunkel geworden war, erkannten die Techniker, daß sie den Schaden nicht so schnell beheben konnten. Erst jetzt, nach zwei Stunden, alarmierten sie die Polizei.

Um 20.30 Uhr, nach weiteren zwei Stunden, erschien ein Hubschrauber der Rettungsflugwacht. Die Dunkelheit sowie das Tragseil und Hochspannungsdrähte behinderten die Püoten beim Anflug auf die Gondeln. Ein zweiter Helikopter wurde angefordert. Mit Tragkörben und Sellen wurden die Passagiere einzeln aus den Gondeln gezogen. Um vier Uhr früh waren alle Passagiere gerettet. Keiner wurde verletzt.