Obwohl es für die Wirtschaft ein hartes Jahr war, konnten einige Branchen außergewöhnliche Gewinne erzielen:

Das waren die "Renner" des Jahres 1983

Von J. Hofftaann und M.Rehder Hamburg - 1983 - das war für die deutsche Wirtschaft ein schwieriges Jahr. Doch nicht alle Branchen Utten gleichmä- ßig unter der latenten wirtschaftlichen Flaute. Es gab sogar Gewinner. Auch in schlechten Zeiten lassen sich gute Geschäfte machen, wenn das neue Produkt besser ist, der Preis für ein Gerät fäUt oder die Mode einen neuen Trend "diktiert". Was waren in den letzten zwölf Monaten die Verkaufsschlager? Das Hamburger Abendblatt hat die "Renner des Jahres" gesucht und gefunden.

Den größten Boom erlebte die Homecomputer-Branche. Wie rasant sich das Geschäft mit den kleinen Elektronik-Kisten ausgedehnt hat, zeigen die Absatzzahlen: 1982 wurden in der Bundesrepubllk etwa 100 000 Kleincomputer zu Preisen von bis zu 20 000 Mark verkauft. In diesem Jahr werden es mehr als 300 000 Stück sem! Die Kleinsten (bis zu 2000 Mark) verzeichneten dabei die größten Zuwachsraten. Das Homecomputer-Fieber, das vor allem unter Jugendllchen grassiert, raffte im Weihnachtsgeschäft auch die letzten Geräte aus den Regalen. Die Branche, allen voran das "vierblättrige Kleeblatt", die Marktführer Commodore, Apple, Tandy und IBM, erwarten für 1984 sogar noch eine Verdoppelung des Geschäfts.

Besonders farbig ging es 1983 auch auf dem Video-Markt zu. Eine Welle bilüger Geräte schwappte vor allem aus Japan in die deutschen Haushalte. Wurden schon 1982 mehr als eme Million Videorecorder gekauft, schnellte die Zahl in diesem Jahr noch einmal herauf: Bis zum 31. Dezember werden rund 1,4 Millionen Famillen ein neues Gerät haben. Das "vierte Programm" flimmert jetzt in 15 Prozent aller deutschen Haushalte. Zu Grabe getragen haben 1983 Grundig und Phiüps ihren Traum vom Erfolg des eigenen Systems Video 2000. Ab 1984 wird auch bei Max Grundig das japanische VHS-System produziert. AUerdings nur für den außereuropäischen Markt.

Das "Jahr der Aktie" bescherte der Börse Umsatz- und Kursrekorde. Das Niveau der Aktienwerte stieg um etwa ein Drittel, die Umsätze haben erstmals die Rentengeschäfte übertroffen. Die meiste Fahrt machten Automobü-Werte. Zu einem Aufsteiger avancierte 1983 auch der amerikanische Dollar. Die US-Währung stieg von 2,37 Mark auf über 2,77 Mark und erreichte damit Rekordhöhen wie seit 10 Jahren nicht mehr.

Zum "Auto des Jahres" wurde der Fiat Uno von europäischen Motorjournaüsten gewählt. In der Bundesrepublik war es der neue Golf. Schon vor der offiziellen Vorstellung auf der IAA lagen 50 000 Bestellungen in Wolfsburg vor und bis heute sind 100 000 Fahrzeuge vom Band gerollt. Mit dem verbesserten Typ wird der ?Golf - bisher wurden 6 Millionen Stück verkauft - wohl weiter auf Erfolgskurs bleiben.

Einen "Renner" gab's auch auf der Schiene. Die "Rosaroten Wochen" der Bundesbahn nutzten 1,26 Millionen Reisende. In den dreizehn Wochen konnten zum Beispiel Famüien (Personenzahl unbegrenzt!) für 177 Mark innerhalb von neun Tagen zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen hin- und herfahren. Dieses Sonderangebot brachte der Bundesbahn emen zusätzllchen Umsatz von 117 MUUonen Mark. "100 Prozent mehr, als wü- erwartet hatten", so ein Sprecher der Frankfurter Direktion.

Durch die Kehlen des Bundesbürgers rann 1983 vor allem Mineralwasser: Statistisch gesehen 51,5 Liter pro Bundesbürger. Der Rekordabsatz von 31,5 MUUonen Hektoüter (6 Prozent mehr als 1982) spülte rund 2,5 Milliarden Mark in die Kassen des Handels, mehr als jemals zuvor. Gründe: Der Jahrhundert-Sommer und die Gesundheitswelle.

"E.T.", der kleine Außerirdische brachte im Kinojahr 1983 das meiste Geld in die Kinokassen. Etwa 8,7 Millionen bundesdeutsche Besucher sahen in den vergangenen zwölf Monaten Steven Spielbergs liebenswertes Knautschmännlein mit dem Heimweh nach der Galaxis. An zweiter Stelle der Publikumsgunst lag das schicke Disco-Lichtspiel "Flashdance" mit 4,5 Millionen Kinokartenkäufern. "Tootsie" brachte es bisher in der Bundesrepublik auf 3,8 Millionen und "Gandhi" auf 1,7 Millionen Besucher.