Steigender Welthandel kann im nächsten Jahr aber zu steigenden Aufträgen führen

Im Schiffbau ist der Silberstreifen noch nicht in Sicht

Der deutsche Schiffbau liegt am Boden. Zwar brachte das Jahr 1983 das höchste Ablieferungsergebnis der letzten fünf Jahre, aber gleichzeitig auch den niedrigsten Auftragsbestand. Zudem war das Jahr geprägt von spektakulären Werften-Stillegungen.

Die Kapazitäten der deutschen Werften sind nur noch zu 25 Prozent ausgelastet. Mit dem zweitkleinsten Auftragsbestand der letzten 25 Jahre kann die deutsche Schiffbauindustrie kaum an das Überleben denken. 1984 wird viele Werften in ihrer Existenz bedrohen. Schon das jetzt zu Ende gehende Jahr hat dies deutlich gezeigt. Die große Werft der AG "Weser" in Bremen-Gröpelingen wurde stillgelegt, der Maschinenpark verkauft. Bei der Hamburger Werft der HDW wurde der Schiffsneubau eingestellt. Der Niedergang verschonte auch die mittleren und kleinen Werften nicht. In Hamburg schloß die Schiffswerft Scheel & Jöhnk ihre Pforten. Tausende von Werftarbeitern wurden in diesem Jahr arbeitslos. Aussichten, daß sie je wieder ihren Arbeitsplatz einnehmen können, bestehen nicht. Die Küstenländer haben ihr Strukturproblem.

Dabei hat die deutsche Schiffbauindustrie in diesem Jahr ihre Fähigkeiten, im Wettbewerb bestehen zu können, wieder unter Beweis gestellt. Rund die Hälfte der abgeüeferten Tonnage sind Neuentwicklungen der deutschen Werften. Jedes zweite Schiff ist vom Typ her eine Innovation, auf die Bedürfnisse des Auftragsgebers "maßgeschneidert".

Der Nachteil dieser Entwicklung sind steigende Kosten, fehlende Serienfertigung. Nur die Hamburger Schiffswerft J.J. Sietas macht hier eine Ausnahme. Sie hat es auch 1983 verstanden, neue Typen in Serie zu verkaufen. Zu ähnüchen Ergebnissen sind nur noch der Bremer Vulkan und die Seebeckwerft gekommen. Auch sie konnten Schiffe in Serie verkaufen.

Die Spezialisierung im Schiffbau bleibt also für die deutschen Werften in Zukunft die einzige Chance zum Überleben. Chancen sind auch darin zu sehen, daß der Welthandel sich in den letzten Monaten wieder aufwärts entwickelt hat. Steigender Welthandel bedeutet mehr Nachfrage nach Schiffsraum und, damit verbunden, mögücherweise neue Aufträge. Hier könnte Spezialistentum gefragt sein.

Daß die deutschen Werften weiter an die Zukunft glauben, wird daran deutlich, daß in diesem Jahr 250 Millionen Mark in neue Anlagen investiert worden sind. Damit wurden zwar keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, die bestehenden aber auf jeden Fall sicherer gemacht."