Wandern zu Pferde

Viereinhalb Jahre lang hat er gefroren "wie ein nackerter Skllehrer". Aber es war für Dr. Roll* Kirchem (57) der Höhepunkt der Karriere, damals als Arzt beim 1. Schnellbootgeschwader der Bundesmarine. "Obwohl die Schnellbootfahrer mimer klatschnaß waren, waren sie gesünder als die Leute an Land", muß sich der ehemallge Geschwaderarzt noch nach über zwei Jahrzehnten wundern.

Heute übernimmt der Flottenarzt einen "ganz großen Pott": Er wird Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses in Wandsbek, einer der modernsten Kliniken der Bundesrepublik. Auch Zivüisten werden hier behandelt.

Kirchem bückt auf eine lupenreine Laufbahn als Marinearzt zurück: Sanitätsoffiziersanwärter in der Kriegsmarine. Fronteinsätze bei einer Vorpostenflottüle. Nach dem Kriege Weiterblldung zum Internisten. Geschwaderarzt. Ab 1. Oktober 1973 Chefarzt im Bundeswehrkrankenhaus Kiel. Und nun als letzte Station Hamburg: "Eine große Aufgabe! In Kiel hatten wir zweihundert Betten, in Hamburg sind es 460. Ich wül die Arbeit meiner Vorgänger kontinuierllch fortführen. Ich halte nichts davon, gleich alles umzukrempeln."

Warum wird man eigentllch Arzt zur See? Der Marineoffizier, der sich in erster Linie als Arzt fühlt lacht schauend: "Sie kennen doch den alten Schnack: Nur Sachsen, Bayern und Rheinländer gehen zur Marine! Und ich bin ein Rheinländer!"

Wie so viele Seeleute hat auch Dr. Rolf Kirchem eine Leidenschaft fürs Reiten. Er peüt schon gewaltige Geländeritte in der Lüneburger Heide an, die er allerdings als "eine Art Wandern zu Pferde" tarnt. Wer auf einem S-Boot nicht vom Hocker fiel, wird sich wohl auch auf einem Gaul halten. sti.

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