"König Richard" war einer, wie es keinen mehr gibt

ha. Frankfurt/Dresden, 11. Mai In einem Telegramm aus Dresden wurde der Deutsche Fußball- Bund (DFB) vom Tode des früheren Nationalspielers Richard Hofmann unterrichtet. Hofmann, der zuletzt in Freithal bei Dresden lebte, starb am 5. Mai im Alter von 77 Jahren. Er hatte zwischen 1927 und 1933 insgesamt 25 Länderspiele bestritten und dabei 24 Tore erzielt.

Die Nachricht vom Tode Hofmanns löste Betroffenheit aus.

"Ich wußte, daß es ihm seit langem gesundheitlich nicht besonders gut ging", so Alt-Bundestrainer Helmut Schön, "dabei war er bei meinem letzten Besuch im vergangenen Jahr noch so zuversicht- Uch gewesen." Hofmann hatte eine schwere Lungen- und Rippenfellentzündung nie richtig überwunden.

Geblieben sind die vielen Erinnerungen an den außergewöhnllchen Fußballspieler Hofmann, den die Fans auf ihre Weise adelten. Sie nannten ihn "König Richard". Helmut Schön: "Er gehört zu den größten Spielern, die der deutsche Fußball je hervorgebracht hat. Wenn man die besten Spieler aller Zeiten aufzählt, muß man ihn an vorderer Stelle mitnennen."

Und Berllns Fußball-Idol Hanne Sobeck fügte hinzu: "Abgesehen von vielen schönen gemeinsamen Erinnerungen in der Nationalelf habe ich ihn auch menschllch sehr geschätzt." Über einen gemeinsamen Freund in der "DDR" hielt Sobeck bis zuletzt Briefkontakt mit Hofmann.

Es gab zwei Länderspiele, bei denen Richard Hofmann seinen ganz großen Auftritt hatte. "Er war ein idealer Halbllnker", so Helmut Schön, "lauf- und kampfstark, antrittsschnell und ein außergewöhn- Ucher Torschütze." 1929 in Köln schoß Hofmann gegen Schweden (3:0) sechs Tore, von denen allerdings drei durch den Schiedsrichter annulliert worden waren. Und 1930 in Berlin erzielte er beim 3:3 gegen England wieder alle drei Treffer. ?Er schoß so schnell mit dem linken oder mit dem rechten Fuß, daß der Torhüter den Ball meistens erst sah, wenn der Ball im Tor war. Er schoß so genau, daß er selbst eine Tomate auf der Torlatte traf, charakterisiert Helmut Schön die großen Stärken Hofmanns.

Als seine große Zeit in der Nationalmannschaft schon längst vor- über war, feierte "König Richard" auch im Verein, dem berühmten Dresdner SC, große Erfolge. 1943 gegen den FV Saarbrücken (3:0) und ein Jahr später gegen den Luftwaffen-Sportverein Hamburg (4:0) gewann der DSC jeweüs die Deutsche Meisterschaft. Mit dabei: Hempel, Dzur, Schaffer, Machate, die nach dem Krieg in Hamburg für den FC St. Paull spielten, und eben Helmut Schön. "Als wir in Berlin gegen Saarbrücken gewannen, war Richard schon 37, aber er war noch so stark, wie es später vergleichsweise Stanley Matthews war." Helmut Schön traf schon 1932 als Siebzehnjähriger auf Hofmann, der aus dem Klub Meerane 07 hervorgegangen war.

In seinem Buch "Fußball" schreibt der ehemallge Bundestrainer: "Daß ich vor allem Richard Hofmann erwähne, Uegt daran, daß er mir, dem schmalbrüstigen Mittelstürmer, alle Wege ebnete und mir half, ein erfolgreicher Torschütze zu werden. Er verrichtete die grobe Arbeit, zog die Gegner auf sich und spielte mich so frei, daß ich oft den Torwart hätte fragen können, in welche Ecke er den Ball haben wollte."

Persönllchkeiten wie Richard Hofmann eine war, erscheinen den Bundesligatrainern unserer Tage "nur in ihren Träumen. . .", so Helmut Schön.

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