DONNERSTAG GESEHEN

Zwei Tote im Sender und Don Carlos im Pogl (II)

Zuweilen mangelte es an Tempo. Da schien dann durch, daß eine Fernsehanstalt keine pointenschwangere Klapsmühle ist, sondern vom Grau der Gremien und Verwalter beherrscht wird. Aber wie Schiller vom bemitleidenswerten Peter Pasetti portiönchenweise zugrundegerichtet wurde, wie der Femsehrat an der gesellschaftlich relevanten Brigitte Mira verzweifelte, wie Intendant Jürgen von Manger seine Gäste mit Döntjes belästigte, wie treue Maskenbildner sich vergeblich bemühten, einem Politiker Gesicht anzuschminken - das war schon sehenswert. Autor-Regisseur Joachim Roehring hatte die Handlungsstränge gekonnt zum chaotischen Knoten zusammengeknüpft. Beachtlich, daß das ZDF solche Selbstdarstellung komisch findet, die mit ausgiebigem Paragraphenstreit und Proporzgemetzel eher Argumente für's Privatfernsehen liefert.

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