Geldstrafen für die Hausbesetzer von Billstedt

Die ersten sechs von insgesamt 57 Besetzern der ehemaligen Polizeiwache 93 in Billstedt wurden am Donnerstag verurteilt. Sie sollen, je nach Einkommen, Geldstrafen von 300 bis 1350 Mark zahlen. Wie berichtet, wollten die Hausbesetzer mit ihrer Aktion im August 1982 der Forderung nach einem selbstverwalteten Stadtteilzentrum für Billstedt/Horn Nachdruck verleihen. Amtsrichter Nils Graue nahm das soziale Engagement der Angeklagten zur Kenntnis, Ueß sich aber davon nicht zur Müde verleiten. Er hätte sogar Freiheitsstrafen ausgesprochen, wenn er diese nicht für die "Rädelsführer" der Hausbesetzung wie den Bürgerschaftsabgeordneten Thomas Ebermann (GAL) aufgespart wissen wollte. Die Angeklagten nahmen das Urteil nicht an. Sie wollen mit ihren Verteidigern in die nächste Instanz.

In einem Parallelverfahren gegen fünf andere Hausbesetzer wurden gestern der Galerist Bernd Mensch als Mieter der ehemaligen ? Polizeiwache und drei von den Künstlern gehört, die dort als seine Untermieter eingezogen waren. Mensch gab zu erkennen, daß er nur aus GefäUigkeit gegenüber dem Bezirksamt Mitte Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt hatte. Die Künstler hatten ihn sogar gebeten, davon um des lieben Friedens willen Abstand zu nehmen. Wie einer sagte: "Ich schätze das Engagement der jungen Leute höher ein als meinen Ärger über die Hausbesetzung." Dieser Prozeß wird fortgesetzt. hk

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