Das unbekannte U-Boot sitzt jetzt in der Falle

Eigener Bericht - dpa - ap

Stockholm / Bonn, 6. Oktober Die Schweden wollen ein nicht identifiziertes Unterseeboot in den Schären vor Stockholm zum Auftauchen zwingen. Nach emer dramatischen Jagd auf das U-Boot ist es den schwedischen Streitkräften inzwischen nach eigenen Angaben gelungen, das Boot in einem Sektor der Schären einzukesseln. Der amtierende schwedische Außenminister Oia UUsten sagte gestern abend, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Lennart Ljung, habe den Befehl erhalten, alle Waffen einzusetzen, die notwendig seien, um das Boot zum Auftauchen zu zwingen.

Das Boot operierte am Wochenende offensichtllch in Gewässern direkt vor der geheimen schwedischen Bunkerbasis Muskö, die in den Fels gesprengt ist und als atombombensicher gilt Mit Kriegsschiffen, Wasserbomben und U-Jagd-Hubschraubern kreisten die Schweden den Eindringling in ihren Hoheitsgewässern ein. Konteradmiral Christer Kirkegaard von der schwedischen Kriegsmarine sagte dazu, das Boot sitze in der Falle. Es gebe ledigllch eine winzige Fluchtmögllchkeit Vorerst ist die schwedische Kriegsmarine angewiesen, die Wasserbomben so zu werfen, daß das Boot nicht beschädigt wüd, um das Leben der Besatzung nicht zu gefährden. Über die Nationalltät des Bootes Uegen nach Angaben Kirkegaards "nicht die geringsten Anzeichen" vor. Eine früher vom schwedischen Verteidigungsstab geäußerte Vermutung, daß neben emem sowjetischen oder polnischen Boot auch ein Unterwasserfahrzeug der deutschen Bundesmarine in Frage kommen könnte, ist vom Verteidigungsministerium in Bonn sehr scharf zurückgewiesen worden.

Dagegen berief sich das schwedische Fernsehen in einer Sondersendung aus einem eigens eingerichteten Pressezentrum an der Küste auf Kreise der schwedischen Kriegsmarine und berichtete, bei dem Boot handele es sich um ein sowjetisches U-Boot der "Quebec"- Klasse. Diese Boote sind zwar sehr alt, doch können sie Torpedos mit Atomsprengköpfen tragen. Sie haben 40 Mann Besatzung, vier Torpedorohre und sind 56 Meter lang. Diese Bootsklasse ist damit nur etwa halb so groß wie die "Whiskey"- Boote.

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Vor einem Jahr war es ein Sowjet-Boot

Im Oktober vorigen Jahres Uef vor der schwedischen Marinebasis Karlskrona das sowjetische U-Boot 137 auf Grund. Zehn Tage lang hielten die Schweden das Boot fest. Die Sowjets mußten die Bergungsoperation innerhalb der schwedischen Hoheitsgewässer bezahlen. Am Ende stand fest: Das Boot der "Whiskey" -Klasse hatte Atomwaffen an Bord. Der sowjetische Kommandant Pjotr Guschin kam in ein Straflager in der UdSSR.

Das unbekannte U-Boot in der Falle

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Außenminister Ullsten, dessen Amtszeit übermorgen endet sagte, das Boot müsse nach dem Auftauchen ans Festland geleitet werden. Die Besatzung werde dann verhört. Der gewählte Ministerpräsident Olof Palme, dessen sozialdemokratische Regierung übermorgen die Regierungsgeschäfte in Stockholm übernehmen wird, sprach gestern von einer "außerordentlich schweren Verletzung" der schwedischen Neutralität.

Bei der NATO in Brüssel ist man sicher, daß es sich bei dem eingekreisten U-Boot um ein sowjetisches Fahrzeug handelt. In Brüssel hieß es, sowjetische U-Boote könnten in diesem Gebiet mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen: Die Ergänzung der bisherigen Einsatzpläne durch Erforschung der schwierigen Gewässer, Beobachtung schwedischer Verteidigungsanlagen, Übungen für Landungen oder für geheime Kommandooperationen.

In Stockholm gut es als sicher, daß die Besatzung des eingekreisten U-Boots gegenwärtig nicht mit dem Heimatstützpunkt Kontakt aufnehmen kann. Dazu müßte das Boot eine lange Antenne ausfahren, die schnell durch die schwedischen Kriegsschiffe und Hubschrauber geortet würde. Bisher hatten die schwedischen Einheiten nur Wasserblasen bemerkt. Wenn die Heimatbasis dem Boot Nachrichten übermitteln wül, können diese Signale auch in Schweden empfangen werden.

Der Tatort vor Schweden

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