Dreißig Seeleute im Atlantik vermißt

Frachter brach im Sturm auseinander: Boote waren leer

Eigener Bericht - SAD - dpa

Brest, 31. Dezember

Obwohl Flugzeuge und mehrere Schiffe am Mittwoch das Seegebiet nordwestlich der spanischen Stadt La Corona systematisch abgesucht hatten, konnte keines der 30 Besatzungsmitglieder des italienischen Massenrutfrachters "Marina di Equa" (22 901 BRT) geborgen werden. Er war - wie |nm berichtet - am Pienstagnachn.lttag rund 280 Kilometer nordwestlich von La Corona auseinandergebrochen und gesunken. Zur Zeit des Unglücks tobte ein schwerer Sturm über dem Golf von Biskaya. Die Wellen waren elf Meter hoch.

Auch gestern war das Wetter in dem Seegebiet sehr schlecht. Die Hoffnung, doch noch Überlebende aus dem tobenden Meer bergen zu können, sank von Stunde zu Stunde. Die Besatzung eines französischen Suchflugzeuges sichtete in dem Unglücksgebiet zwei Seenotraketen. Mögllcherweise waren sie von einem Rettungsfloß aus abgefeuert worden. Doch bisher konnten ledigllch sieben leere Rettungsflöße geborgen werden.

Ein Sprecher der britischen Küstenwachstation Falmouth sagte, für Seeleute, die in Rettungsflößen Schutz gefunden hätten, bestünden noch gute Chancen zum Überleben. Da das Wasser im Atlant* aber nur eine Temperatur von zwölf Grad habe, bestünden keine Chancen für im Wasser treibende Schiffbrüchige. Bei so niedrigen Temperaturen könne man kaum länger als zwei Stunden überleben.

Die "Marina di Equa", die Stahldrahtspulen geladen hatte, war am Dienstag gegen 17.00 Uhr in Seenot geraten. Der Funker meldete, daß eine Ladeluke des Schiffes aufgerissen worden sei. Um 19.08 Uhr brach der Frachter auseinander und sank. Ein französisches Flugzeug hatte bis zum Untergang der "Marina di Equa" über dem Unglücksgebiet gekreist.

Die Besatzung des Flugzeuges meldete über Funk, daß der Frachter "Theodor Fontane" aus der "DDR" nur wenige Seemellen entfernt gewesen sei. Doch wegen des schweren Wetters habe das Schiff den Havaristen nicht erreichen können.

Am Mittwoch eüten die spanischen Zerstörer "Churruca" und "Langarra" sowie der Hochseeschlepper "R 41" in das Unglücksgebiet Sie fanden jedoch - wie die "Theodor Fontane" - nur noch Schiffstrümmer und leere Boote. An der Suche nach den Vermißten - alle sind Itallener - beteillgten sich auch spanische, britische und französische Flugzeuge.

Die 1972 in Glasgow gebaute "Marina di Equa" gehörte der italienischen Reederei "Kalmare" und war in Castellamare beheimatet

Das Unglück erinnert an den Hamburger Frachter "Elmar Tres", der am 26. November östlich der Bermudas während eines Sturms im Atlantik gesunken ist 23 Besatzungsmitglleder kamen ums Leben. Nur der 1. Offizier Harald Marienfeldt überlebte. Er hatte sich 26 Stunden lang an ein gekentertes Rettungsboot geklammert.