Ein Hamburger in England vor Gericht:

Hat Ulf Hinsch seine Frau auf dem Gewissen?

Er sieht aus wie ein properer hanseatischer Kaufmann, aber als mutmaßllcher Mörder steht er seit gestern in England vor Gericht: Der Hamburger Ulf Hinsch (42) wird verdächtigt, im September 1975 seine Frau Jeanette Maria Hinsch getötet zu haben. Beim Verhör verwickelte sich der Angeklagte in zahlreiche Widersprüche.

Das Hamburger Ehepaar lebte seit 1973 in England. Die Ehe war nicht glück- Uch, es gab oft Streit, so ermittelte die britische Po- Uzei. Auch im September 1975. Nach diesem Streit um eine neue Wohnung war die damals 28jährige spurlos verschwunden. Zwei bis drei Wochen später, am 29. September, fand ein Landarbeiter nahe der südengllschen Stadt Winchester die Leiche einer Unbekannten, die erst im März dieses Jahres nach einer Fernseh-Fahndung identifiziert werden konnte. Die in Hamburg lebende Mutter der Toten erkannte in der ?KV-Sendung ihre Tochter Jeanette Maria Hinsch.

Der Schwiegersohn hatte ihr damals, vor fast sechs Jahren, gesagt: "Jeanette ist verschwunden, ich weiß nicht, wo sie ist." Bekannten in England hatte er erzählt, seine Frau sei mit einem anderen Mann durchgebrannt. Oder auch: Sie sei schwanger gewesen und nach Deutschland zurückgekehrt. Seine Version im Verhör: Nach dem Streit habe sie gedroht, ihn zu verlassen. Als er von einer London-Fahrt zurückkehrte, sei sie verschwunden gewesen, samt Schmuck und Garderobe.

Aber was den Staatsanwalt stutzig machte: Läßt eine Frau, die ihren Mann verläßt, ihr Auto, ihren Hund und sogar ihre Scheckkarte zurück?

Verdächtig war es auch, daß sich Ulf Hinsch kurz nach dem Verschwinden seiner Frau eine neue Wohnung mietete - für eine Einzelperson. Und weil er sich in weitere Unwahrheiten verstrickte. Denn als seine Schwiegermutter ihn nach der Fernsehsendung im März bat, Nachforschungen anzustellen, hatte er ihr erzählt: "Die Polizei hat mir gesagt, die Tote ist längst identifiziert . . ." Hinsch hatte weder bei der englischen Polizei nachgefragt, noch war zu dem Zeitpunkt bekannt, daß es sich bei der Leiche um Jeanette Maria Hinsch handelte. Der Prozeß wird fortgesetzt.