Günther Siegmund: Herzinfarkt mit 54 Jahren

Ehemaliger Ohnsorg-Chef starb im Urlaub

Günther Siegmund, Direktor des Ohnsorg-Theaters von 1970-1979, ist in der Nacht vom 19. zum 20. Mai während eines Urlaubs in Malcesine in Italien an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde nur 54 Jahre alt Der gebürtige Hamburger - verheiratet mit der Schauspielerin Christa Johns (iwei erwachsene Söhne) - übernahm nach dem Tod Hans Mahlers (Ehemann Heidi Kabels) ein schweres Erbe. Daß er ihm, aus welchen Gründen auch immer, nicht gewachsen war, spricht nicht gegen ihn.

Er kannte das Haus an den Großen Bleichen wie kein zweiter. Bereits als 1 fhähriger stand er dort Im Märchen als Zwergenkönig auf der Bühne. Weitere Kinder- und Jugendrollen folgten, bis der Oberschüler aus St. Georg als Luftwaffenhelfer zur Wehrmacht eingezogen wurde. Nach dem Krieg kehrte er als Schauspieler an die Großen Bleichen zurück, spielte unzählige Rollen im Fach des komischen Liebhabers und Chargenspielers.

Das allein aber genügte ihm nicht. Er begann zu schreiben, Stücke, die sofort Erfolg hatten. "Afmustert", 1948 uraufgeführt, war sein erstes, "Cowboys, Quiddjes und Matrosen" folgte. Sie eröffneten die große Serie von Siegmund-Stücken, die nicht nur das Repertoire des Ohnsorg- Theaters bereicherten, sondern auch dem niederdeutschen Schrifttum belebende Akzente gaben. Siegmund war auch ein hervorragender "Übersetzer" hochdeutscher Theaterstükke ins Niederdeutsche.

Noch zu Lebzeiten Hans Mahlers war er als Dramaturg, Regisseur und

Begleiter des künstlerischen Betriebsbüros unentbehrüch. Seine Umsicht, seine Arbeitsintensität und sein künstlerisches Einfühlungsvermögen prädestinierten ihn für die Direktoren-Position nach Mahlers Tod.

Aber Günther Siegmund war nicht gesund, er war übersensibel und nicht robust genug, die auseinanderstrebenden Kräfte innerhalb des Hauses zusammenzuhalten.

Es gab Cliquen-Büdungen, Machtkämpfe, Intrigen am laufenden Band. Wer gegen wen, wer für wen war, war in der Öffentlichkeit kaum noch auszumachen. Das Chaos an den Großen Bleichen schien unentwirrbar. Siegmunds Abschied 1979, als er auf sanftes Drängen hin das Handtuch warf, war nicht ohne Schmerz und Bitterkeit. Die ihm versprochene Tätigkeit als Berater des Hauses wurde ihm verwehrt Siegmund arbeitete als Regisseur, Autor und Schauspieler, hatte ein gutes Auskommen, aber war in sich gebrochen. ILSE HOGER

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