Eine Woche vor Weihnachten wird in Hamburgs City der Verkehr lahmgelegt

Der große Ärger

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Von Egbert A. Hof f mann Hamburg, 19. Dezember Eine Woche vor Weihnachten brodelt es in der Innenstadt. Während Hunderttausende bei Schneeregen ihre Einkäufe machen, sorgt das neue Verkehrskonzept des Senats für großen Ärger: Verkehrsstockungen, Umleitungen, eingeengte Fahrspuren, zusätzliche Halteverbote, weniger Auto-Stellplätze.

Auf dem Jungfernstieg herrscht morgens und nachmittags nur noch stop and go. Kein Busfahrer kann seinen Fahrplan einhalten, unzählige Fahrgäste kommen zu spät ans Ziel.

"Wir haben das Verkehrschaos immer wieder angekündigt", sagt Geschäftsführer Heinrich Grüter vom Verband der Mittel- und Großbetriebe, "aber man wollte ja nicht auf uns hören." CDU-Verkehrssprecher Dr. Dieter Hauke: "Ein Skandal, was man den Hamburgern da zumutet. Und das auch noch eben vor Weihnachten!"

Das neue Verkehrskonzept ist Voraussetzung für den Umbau des Rathausmarktes. Es bezweckt, den Rathausmarkt nach allen Selten aus den Verkehrsströmen zu lösen. Deshalb wurde der Alte Wall am Mittwoch zunächst zur Sackgasse. Adolphsund Bleichenbrücke haben jetzt umgekehrte Einbahnregelung, Große

Dr. Hans-Jürgen Merl von der Handelskammer steckte mit dem Bus in den Stauungen: "Gestern morgen brauchte ich als Busfahrgast 25 Minuten von der Dammtorstraße bis zur Petrikirche. Zu Fuß mache ich den Weg sonst in zwölf Minuten."

Empörung und Resignation herrschen unter den Geschäftsleuten am Jungfernstieg. Die Inhaberin einer Buchhandlung sagt: "Vor unserem Geschäft wurden Halteverbotsschilder aufgestellt, und Hilfspolizisten kassierten kräftig. Meine Lieferanten durften nicht mehr halten. Ich sagte den Polizisten, sie sollten mir die Strafzettel geben, weil ich sie dem Bürgermeister zu Weihnachten schicken will."

Was der Plan bezweckt

Ein Geschäftsmann in einer neuen Ladenpassage klagt: "Hunderte von Millionen wurden von der Privatwirtschaft für die neuen Fußgängerpassagen aufgebracht. Dort entstanden in wenigen Monaten zusätzlich 230 Läden. Wir alle haben große finanzielle Risiken auf uns genommen in der Hoffnung, der Senat sei uns wohlgesonnen. Und dann jetzt die Strangulierung des Verkehrs, weil Herr Klose seinen neuen Rathausmarkt haben will."

Ein anderer Kaufmann beklagte sich bei der Behör- Johannisstraße und Bergstraße wurden zu Hauptstraßen mit starkem Busbetrieb. Das Konzept erfüllt auch gleich ein weiteres Vorhaben der Baubehörde: Gerhof- und Poststraße wurden vom Busverkehr befreit. Jetzt hat der Jungfernstieg auf nur vier Spuren die doppelte Anzahl Busse zu verkraften ? bis 120 stündlich. de. Deren Antwort: "Wo kämen wir denn hin, wenn wir vorher alle Anlieger gefragt hätten!" Einem Ladenbsitzer am Jungfernstieg empfahl die Behörde, seine Waren mit Handkarren vors Geschäft zu ziehen.

Die Handelskammer sagt Grundsätzliches zum neuen Verkehrskonzept: "Die Behörden müssen den Ärger jetzt durchstehen. Wir können sie nur immer wieder ermuntern, der Wirtschaft über den Berg zu helfen und nichts zu tun, was die City in Verruf bringt." Aus dem Rathaus oder von den zuständigen Behörden gab es gestern keinerlei Erklärungen zum großen Ärger in der City. (Kommentar Seite 2.)

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