Klage der Hamburger Handelskammer

Dieses Verkehrsprogramm verschweigt Engpässe

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ein übergeordnete" Straßenentlastangsnets, wie es in den Überlegungen der Baubehörde zum Generalverkehrsplan vorgesehen war. Nach den heutigen Planungen der Behörde wird der Baumwalltunnel kaum vor der Jahrtausendwende fertig sein. r "Hamburg hat sich zu einem Verkehrsengpaß ersten Ranges in Norddeutschland entwickelt", stellt Dr. Claus Lau, Syndikus der Handelskammer Hamburg, in der neuesten Ausgabe der Kammer-Mitteilungen fest. Hamburg brauche nicht nur einen Baumwalltunnel, sondern

Dr. Lau bezieht sich auf das von den vier Küstenländern erarbeitete "Strukturprogramm Norddeutschland". Zwischen allen Beteiligten, so der Syndikus, fehle es an der nötigen Übereinstimmung in grundsätzlichen Fragen, um eine zukunftsorientierte Verkehrsinfrastruktur zu entwickeln. Hamburg habe sich "leider nicht den verkehrspolitischen Platz sichern können, der ihm als Verkehrsknotenpunkt der Region gebührt".

So fehlten in dem Strukturkonzept Hinweise darauf, daß sich Hamburg zu einem""'Verkehrsengpaß ersten Ranges entwickelt habe, der ? wenn nicht etwas Durchgreifendes geschähe ? in den nächsten Jahren nicht nur die Verkehrsbelange Schleswig- Holsteins und Niedersachsens gefährde, sondern vor allem Hamburgs Ziel- und QueÜverkehre in erheblichem Umfang beeinträchtigen werde.

Dr. Lau: "Dies alles ist um so bedauerlicher, als gerade in der europäischen Verkehrspölitik die sogenannte .Engpaß-Diskussion' beginnt. ' Während hier, großräumig und grenzüberschreitend gedacht wird, fährt man in Norddeutschland fort, in stadt- und bundesstaatlichen Kategorien zu denken, ohne die übergreifende Kraft von Wirtschaftsregionen zu berücksichtigen."

Die massive Kritik des Kammer-Syndikus zielt auf die ursprünglich sehr viel weitergehenden Verkehrsprojekte Hamburgs, die unter dem Druck von Bürgerinitiativen, Umweltschützern und Partei- Außenseitern drastisch zusammengestrichen wurden. So soll als kümmerlicher Rest der zehn Jahre lang diskutierten Osttangente, einer Stadtautobahn Norderstedt ? Winterhude ? Barmbek ? Wandsbek, ab 1982 nur noch die Zeppelinstraße zur vierspurigen Schnellstraße zwischen Alsterkrugchaussee und Kronstieg erweitert werden.

Ferner wurde kürzlich vom Senat als Ersatz für das "gestorbene" Stadtautobahnnetz eine 10 Kilometer lange Hafen-Autobahn zwischen Veddel und Waltershof beschlossen. Baubeginn etwa 1982, Fertigstellung nach 1985.

Von dieser Hafen-Autobahn soll auch später die Zufahrt zum Baumwall- Eibtunnel abzweigen. Baubeginn laut Baubehörde "um 1990". Auch an dieser Planung übt Syndikus Dr. Lau Kritik: ,*' "Niemand kann heute sagen, .wohin sich das Verkehrsaufkommen aus dem Tunnel nördlich der Elbe ergießen soll." Die Zufahrtsspirale zum Tunnel werde zwar von Bebauung freigehalten. Aber die anschließenden Straßen seien nicht in der Lage, stärkere Verkehrsströme aufzunehmen.

EGBERT A. HOFFMANN

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