Allianz- Versicherung bat zum Richtfest

Das neue Hanse-Viertel ist jetzt unter Glas

Im "Leben" Jedes Bauwerks ist das Richtfest immer ein ganz besonderer Tag ? der Augenblick nämlich, wo des Groben genug ist und die Feinarbeit beginnt. Und Handwerker können ganz komisch werden, wenn der Bauherr es mit dem Richtfest mal nicht so eilig hat. Die Allianz, die an den Großen Bleichen für 150 Millionen Mark eine City in der City entstehen läßt, bekam das zu spuren ? und feiert morgen nun zum zweitenmal Richtfest.

Als im Dezember vergangenen Jahres die erste Krone über dem backsteinernen Hanse-Viertel baumelte, tat sie es den Maurern zuliebe. Die nämlich hatten hochgezogen, was zu mauern war. Und das wollten sie endlich begießen. Für den Bauherren und die Architekten von Gerkan, Marg und Partner indessen war das eigentlich halber Kram: Erst wenn die Glasdach-Passage im Innern des roten Giganten stehe, sei für sie das Grobe endgültig erledigt. Und das ist nun geschafft.

Mit Schutzhelm versehen und in fachkundiger Begleitung bummelten die Bauherren gestern zum erstenmal durch die Ladenstraße, die schon zu Weihnachten bezogen sein soll. Im kurzen Passagenteil, Ecke Große Bleichen und Poststraße beginnend, funkelt schon das helle Glas. Wie man es darunter aushält, wenn die Sonne draufknallt, wird die Zeit zeigen. Architekt Volkwin Marg: "Das kann man- später immer noch isolieren."

Unten ein riesiges 'Kellergewölbe mit Wänden, Böden und Pfeilern aus Backstein. Da zieht ein Supermarkt ein. Die kleinere der beiden Glaskuppeln vor uns wird von Cafehausatmosphäre erfüllt. In den Backsteinboden lassen die Architekten einen

Kompaß einlegen, dessen aufrecht stehende Nadel in regelmäßigen Abständen nach Norden pendelt.

Nach links schließt sich das lange Ende der Passage an. Statt Glas schützen hier noch helle Planen vor dem Regen. .Dicht an dicht sind die Nischen für die Läden 'zu erkennen ? 80 im ganzen Hanse- Viertel. Sie sollen alle hell erleuchtet sein, werden durch Spiegel optisch vergrößert.

Am Ende mündet alles in der lukullischen Kuppel. Unter dem hoch nach oben gewölbten Dach breitet sich das Mövenpick aus ? mit etwa 300 Plätzen für alle nur erdenklichen Gaumenfreuden. Wer es zu Fuß in die unteren Gefilde nicht schafft, kann im gläsernen Fahrstuhl hinunterrutschen. Die renommierten Gastwirte brauchen sich um Kundschaft nicht zu sorgen: Gleich hinter ihnen richtet im ehemaligen Broschek-Haus das Ramada-Hotel 200 Zimmer ein.

Und zum Schluß ein Bonbon für Autofahrer: Nicht nur auf dem Parkdeck rund um das Dach der Passage gibt es 200 Stellplätze ? an der Poststraße vis a vis vom Gerhof entsteht ein Parkhaus mit sage und schreibe 400 Plätzen! Nützlichkeit einmal sozusagen als Abfallprodukt ...

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