Auch Handelskammer lehnt Rathausmarkt-Umbau ab

"Lange Umweg-Fahrten statt kurzer Wege"

| Lesedauer: 2 Minuten

rang der "Innerstädtischen Standortqualität" der Hansestadt. Außerdem hat sich seit 1977 die Hanshaltslage Hamburgs erheblich verschlechtert. Über diese Probleme sprach das Hamburger Abendblatt mit Rudolf Schlenker, dem Präses der Kammer. Der geplante Umbau des Rathausmarktes für 38,5 Millionen Mark bleibt Tagesgespräch. Die Handelskammer Hamburg, die die vorgesehene neue Verkehrslenkung schon 1977 kritisiert hatte, befürchtet neue Engpässe und eine Verschlechte-

Hamburger Abendblatt: Die Baubehörde hat kürzlich in einem Schreiben an die betroffenen Wirtschaftskreise behauptet, der geplante Umbau des Rathausmarktes werde die Verkehrssituation um Rathaus und Börse eher verbessern als verschlechtern. Teilen Sie diese Auffassung?

Schlenker: Ich erkenne durchaus die Bemühungen an, durch einige zusätzliche Investitionen die negativen Auswirkungen der vorgesehenen Verkehrsführung zu verringern. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die Gesamtsit-uation 'durch den Rathausmarkt-Umball verschlechtern .würde.

HA: Wie begründen Sie das? Schlenker: Die vorgesehene Verkehrsführung an der Westseite des Rathausmarktes wäre ein tiefgreifender Einschnitt in das Straßennetz der City. Durch diese und andere Maßnahmen würde das Gegenteil von dem bewirkt, was wir für eine Geschäfts- und Einkaufsstadt mit ihren über Hamburg hinausgehenden Funktionen für richtig halten: Lange Um wegfahrten statt kurzer Wege, unübersichtliche Wegeführung statt Übersichtlichkeit, Konzentration des Verkehrs auf wenige Achsen sjatt gleichmäßigerer Verteilung. <HA: Legen Sie damit nicht zuviel Gewicht auf den Individualverkehr und berücksichtigen Sie zuwenig die Absicht, die City attraktiver zu machen?

Schlenker: Nein. Wir möchten keineswegs generell dem Kraftfahrzeug den Vorrang vor dem Fußgänger einräumen. Die Sicherung der City-Urbanität darf aber nicht allein auf einige wenige, planerisch bevorzugte Fußgängerzonen beschränkt bleiben. Hamburg ist mehr als andere Großstädte ein Dienstleistungszentrum im weitesten Sinne. Insofern sind die Verkehrsverhältnisse in der Innenstadt auch nicht nur für den Einzelhandel von großer Bedeutung.

HA: Ist das Projekt womöglich einfach zu teuer, wenn man den Kosten den Nutzen gegenüberstellt?

Schlenker: So ist es. Hamburg befindet sich in außerordentlich angespannter Haushaltslage. Der Rathausmarktumbau bringt uns gravierende Verkehrseinbußen. Diese Nachteile stehen In keinem , vernünftigen Verhältnis zu dem städtebaulich-architektonischen "Gewinn".

HA: Wie könnte eine andere Lösung aussehen?

Schlenker: Bereits 1977 hat die Kammer angeregt, auch alternative Verkehrsführungen zu berücksichtigen und vor allem die volle Beibehaltung des Alten Walls als Verkehrsstraße vorzusehen. Damit ließen sich gleichzeitig die Kosten für das Gesamtprojekt verringern. Warum greift man diese Gedanken nicht nochmals auf?

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 1980