Gisela Wessel: gut für Charakterrollen

Als kesse, leicht abgegriffene Sexnudel stakst Gisela Wessel (54) hochhackig allabendlich in "De Firma dankt" über die Bretter des Ohnsorg-Theaters. Eine hellblonde Lockenperücke versteckt

ihren naturroten Pagenkopf. Sie wiegt nicht nur auffordernd den Kopf, auch Hüften und Beine weiß sie locker-lockend einzusetzen.

Jeder, der Gisela Wessel so sieht, hat Spaß an der Perfektion, mit der sie diese Rolle komödiantisch auf die Bühne bringt, und vergißt vielleicht darüber, daß sie sich im Laufe ihrer 23 Jahre am Ohnsorg-Theater vor allem als Charakterspielerin profilierte. Die Hamburgerin Gisela Wessel wurde bei Ida Ehre und Eva Fiebig ausgebildet. Aufgewachsen ist sie, wie sie sagt, "zwischen Davidstern und Eichenlaub mit Schwertern". Ihr Großvater war nichtarisch, ihr Onkel war der bekannte Generalmajor Wessel, und ihr Vater baute die Kriegsmarine mit auf. Nach einigen Jahren Provinz blieb sie gern beim Ohnsorg- Theater. Sie war dort unter anderem eine eindrucksvolle böse Bahnmeisterin in "Bahnmeister Dod" und die heruntergekommene Witwe in "Tippelbröder". Jeder Rolle gab sie ein persönliches Profil.

Bereut sie etwas in ihrem Leben? "Ja, daß ich ein halbes Jahr vor dem Abitur kniff. Aber es war mir eine Lehre. Seitdem habe ich bei allem, was ich tat, durchgehalten, auch wenn es manchmal verdammt sohwe# war, Ich kann heute abwarte und warten." Und so wartet Gisela Wessel jetzt: auf gute, profilierte Rollen, für die es sich lohnt, auf der Bühne zu stehen. ILSE HÖGER

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