Erstklassiges Tennis - aber die Größten bleiben weg

Mit Guillermo VUas (Argentinien), Harold Solomon (USA) und Victor PeccI (Paraguay) spielen drei der ersten zehn Spieler der Computer- Weltrangliste bei den 74. Internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland, die heute ab 11.00 Uhr mit den Qualifikationsspielen am Rothenbaum beginnen. Weniger als Turnier-Chef Heinz Brenner (54) noch vor zwei Monaten gerechnet hatte. Doch weder der Ranglistenerste Björn Borg (Schweden), der dem Hamburger Turnier im letzten Jahr Glanz verlieh, noch die Amerikaner John McEnroe, Vitas Gerulaitis oder Jimmy Connors zeigten Interesse an der mit 200 000 Dollar Preisgeld ausgestatteten Grand-Prix- Veranstaltung.

Auch Brenners Blitzreise zum Nationen-Cup nach Düsseldorf, wo er Jose Clerc (Argentinien) und Gene Mayer (USA) zu einem Start in Hamburg bewegen wollte, schlug fehl. Beide winkten ab. Der eine (Clerc) gab als Grund eine Schulterverletzung an, der andere (Mayer) sagte, er würde in der nächsten Zeit nur Doppel spielen. Schließlich mißlang kurz vor der Auslosung gestern mittag der Versuch, das Turnierfeld mit Ille Nastase (Rumänien) noch anzureichern.

So prägen denn vor allem die 16 Gesetzten das Bild der Internationalen Meisterschaften von Deutschland: Vilas (die Nummer 4 der Weltrangliste), Solomon (7), Peccl (10), Ivan Lendl, CSSR (13), Hans Gildemeister, Chile (14), Manuel Orantes, Spanien (21), Iliot Teltscher, USA (22), Corrado Barrazutti, Italien (30), Tomas Smid, CSSR (31), Heinz Günthardt, Schweiz (32), Balazc Taroczy, Ungarn (38), Terry Moor, USA (41), Bernie Mitton, Südafrika (44), Raul McNamee, Australien (46), Rod Frawley, Australien (50), und Carlos Krimayer, Brasilien (53).

Von den deutschen Spielern, die international nach wie vor eine untergeordnete Rolle spielen, fanden nach Uli Pinners Ausfall (Bänderriß) Peter Elter (München), Hans-Dieter Beutel (Hannover), Christoph Zipf (Hannover), Karl Meiler (Amberg), Rolf Gehring (Neuß), Wolfgang Popp (Frankfurt) und Werner Zirngibl (Amberg) einen Platz im 64er Feld. Das schwerste Los erwischte Peter Elter. Er muß in der ersten Runde gegen den Favoriten Guillermo Vilas (26) antreten, der vor zwei Jahren in Hamburg Meister wurde.

Nicht viel leichter hat es der Junioren- Weltmeister Hans-Dieter Beutel (17). Sein Gegner heißt Manuel Orantes. Der 29 Jahre alte Spanier gewann 1972 und 1975 das Hamburger Turnier. Pikant die innerdeutsche Begegnung zwischen den Daviscupspieler Rolf Gehring (25) und der Nachwuchshoffnung -des Deutschen Tennis-Bundes, Christoph Zipf (17).

Der Hamburger Tennis- Verband als Ausrichter hat 1,5 Millionen Mark in ein neues Turnierhaus und die Renovierung des Centre Courts Investiert und wohl die modernste Tennis-Anlage in Europa geschaffen. Doch das Teilnehmerfeld erfüllt nicht die Erwartungen. So bleibt den Organisatoren nur die Hoffnung, daß Björn Borg und John McEnroe 1981 zum 75. Geburtstag der Internationalen Meisterschaften nach Hamburg kommen. URSULA DIOSEGI

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