"Der neue Rathausmarkt zerstört den Jungfernstieg"

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Eigener Bericht

hn. Hamburg, 28. Februar "Der bevorstehende Umbau des Rathausmarktes ist nur ein Spielzeug des Senats", rief ein entrüsteter Geschäftsmann aus und erntete viel BeifalL Ein anderer ergänzte: "Mit dem abgedrängten Verkehr verderben wir uns unsere Prachtstraße, um die uns die ganze Welt beneidet, den Jungfernstieg. Ich verlange, daß die Senatspläne geändert werden." Wieder starker Beifall.

Stätte der Unmutsbezeigungen war der Albert- Schäfer-Saal, in den die Handelskammer gestern abend 200 Betroffene des geplanten Rathausmarkt-Umbaus eingeladen hatte, um

sich Vorhaben und negative Auswirkungen von der Baubehörde erläutern zu lassen. Oberbaudirektor Prof. Klaus Müller-Ibold sagte: "Wir wollen den Rathausmarkt, Hamburgs gute Stube, annehmbarer machen. Mit Belebung der Innenstadt hat das nicht viel zu tun."

Der Umbau beginnt in Kürze und soll zwei Jahre dauern. Der Rathausmarkt wird frei von Autos gehalten, der Alte Wall wird Sackgasse, und der Jungfernstieg hat auf reduzierter Fahrbahn Mehrverkehr zu verkraften, auch die doppelte Anzahl Busse, weil ja Postund Gerhofstraße keine Zufahrt mehr zum Rathaus haben.

Kaufleute, Ärzte, Rechtsanwälte, Taxifahrer, Gastronomen und Firmenchefs hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg: ? Wir sind in tiefer Sorge um die wirtschaftliche Zu-" kunf t der City.

- Die Läden brauchen den Indlvidualverkehr, der nun abgewürgt wird.

- Verkehrsstrategie war schon immer das Stiefkind des Senats.

- Der Kaufmannstadt stehen irreparable Schäden bevor.

- Der künftige Rathausmarkt ist keine bahnbrechende städtebauliche Lösung.

- Alles ist nicht bis zu Ende gedacht.

- Warum hat man uns nicht vorher gefragt? Auch die Busse werden behindert. ? Angeblich kostet der Umbau nur 25 Millionen Mark. Daraus werden bestimmt 50 oder 100 Millionen. Und wofür?

Den letzten Vorwurf nannte Müller-Ibold eine polemische Unterstellung. Allerdings räumte er ein, die 25 Millionen Mark seien schon 1977/78 errechnet worden. Wieviel es nun wirklich werden, vermochte er allerdings nicht zu sagen. Einwurf eines Kaufmanns: "Beispiele für solche Mehrkosten haben wir ja beim Krankenhaus Othmarschen." Wieder Beifall.

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