Die Nebengeschäfte der Fernseh-Branche:Einem Sprecher zeigte der NDR die gelbe Karte

Auch eine Lottofee läßt sich versilbern

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Das Medium, das sie sich für ihren eigentlich stinknormalen Beruf gewählt haben, das macht es: Es bringt sie wirksam "unters Volk", die Moderatoren, Präsentatoren, Kommentatoren, die Sprecher. Ihr Blick in die elektronischen Kameras, ihre Stimme, ihr Job in den Rundfunk- und Fernsehstudios haben sie einem Millionen-Publikum schnell vertraut gemacht. Nnn

Bestimmte Moderatoren, Reporter und Ansagerinnen von Funk und Fernsehen geben fest jeder Party, jedem Geschäftseröffnungs-Cocktail, jeder Veranstaltung, ob wohltätig oder nicht, einen gewissen Glanz. Denn ihr Erscheinen gilt als so werbeträchtig, daß sie sich, theoretisch, jede nicht rein private Anwesenheit bezahlen lassen könnten.

Ganz so ist es in der Realität nicht. Anders als zum Beispiel "Lottofee" Karin Tietze-Ludwig, die eich per Management als Party-Knüller gegebenenfalls auch an "Hinz und Kunz" gegen Bares vermietet, kassieren Hamburgs freiberufliche TV-Köpfe so vordergründig kaum. Aber daß einige von ihnen ihre Person verkaufsfördernd ins Werbe- und Public- Relations-Geschäft werfen, ist kein Geheimnis mehr.

Die kommerziellen Möglichkeiten der bei einer öffentlichrechtlichen Anstalt Beschäftigten sind nicht grenzenlos. "Tagesschau"-Sprechern zum Beispiel ist dringend angeraten, nicht für Werbung zu posieren; in bester Erinnerung ist jener "Fall" Werner Veigel, der bekennen mußte, für ein Brauerei-Werbefoto stolze 30 000 Mark Honorar erhalten zu haben und daraufhin vom Sender die gelbe Karte gezeigt bekenn.

Werner Veigel hat sich neben seiner vielfältigen Fernseh- und Funk-Arbeit als Galerist etabliert und sich durch Bilder- Verkäufe eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen, wobei er nun einmal auf Grund seiner Popularität selbst sein bester "Verkäufer"

Zurückhaltender ist Dagmar Berghoff, First Lady der "Tagesschau". Sie hat ohnehin vielfache Aufgaben im Sender; gelegentliche Moderationen von Galas und Modenschauen mit vierstelligem Salär sind da die Schlagsahne auf der Arbeit.

Nicht nur vom Bildschirm, sondern auch von ganzseitigen Anzeigen in Illustrierten lacht gelegentlich Feraisehansagerih Hanni Vanhaiden. Sie tut es den Kollegen Showmastern und TV-Kommissaren gleich, die für Sonderangebote, Fernsehapparate oder Würstchen Stimme und/oder Figur leihen. Für wieviel in Mark und

tragen sie Lust nnd Last der Prominenz, erleben ein Phänomen, das sonst Show-Größen, Filmstars und Spitzenpolitikern vorbehalten ist: Fast überall erkannt, oft auch angesprochen zu werden, bereit zu sein zum Autogramm. Es läßt sich auch leben von und mit einem Bildschirm-Gesicht. Und das gar nicht einmal schlecht.

Pfennig? Streng gehütetes Branchengeheimnis. Allenfalls das Finanzamt weiß mehr.

Relativ bescheiden klingen dagegen (noch) die Ab-undzu-Auftritte des "Schaubuden"-Sprechers Carlo von Tiedemann, dessen Gesicht bislang noch keinem Werbe-Spot zum Opfer gefallen ist. Lediglich bei gemeinnützigen Veranstaltungen tritt Carlo zuweilen in Erscheinung ? als Festangestellter des NDR darf er vertragsgemäß keine goldenen Wasserhähne dazuverdienen. Dennoch hat der Vielumworbene inzwischen einen Manager für sich eingeschaltet. Dessen Aufgabelst es aber bisher, die bündelweise eingehenden Anfragen eher "abzuwimmeln" denn anzunehmen.

"Schaubuden"-Kollegin Victoria Voncampe als "Freie" kann da anders und fast alles außer Werbefernsehen machen. Sie konzentriert den gewinnbringenden Einsatz ihrer Person und Popularität auf Mode- und Industrie-Präsentationen, die ihrem eleganten Image entsprechen. Auch ihr Werbetermin-Kalender wird längst von einem Manager gesteuert.

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