Beamte vergaßen Häftling in der Zelle: Verurteilt

Eigener Bericht - dpa - ap

Feldkirch, 6. November

Achtzehn Tage lang saß der 18jährige Andreas Mihavecz in einer engen Arrestzelle in dem kleinen Ort Höchst (Österreich) am Bodensee. Er war von drei Gendarmeriebeamten irrtümlich wegen eines Verkehrsdeliktes festgenommen und "einfach vergessen" worden. Jetzt standen die Inspektoren Markus Weber (27), Heinz Ceheter (34) und Erwin Schneider (52) wegen "grober Fahrlässigkeit im Amt" vor Gericht.

Ihre Vergeßlichkeit hatte Andreas Mihavecz um ein Haar das Leben gekostet. Normalerweise kann kein Mensch achtzehn Tage lang überleben, ohne Flüßigkeit zu sich zu nehmen. Der junge Mann überstand den Arrest nur, weil sich an den Wänden der Zelle, in die er eingesperrt war, wegen der Feuchtigkeit Wassertropfen abgesetzt hatten. Er verlor fast 50 Pfund Gewicht und brauchte Wochen, um wieder arbeitsfähig zu werden.

In der Verhandlung war jetzt nicht mehr zu klären, wer den Befehl gegeben hatte, Mihavecz in die abgelegene Arrestzelle zu stecken. Die Angeklagten schoben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Erst einen Tag bevor der junge Mann zufällig ? "weil es aus der Zelle übel stank" ? entdeckt wurde, verfaßte ein Beamter, der die Festnahme vergessen hatte, eine Vermißtenmeldung, obwohl die Mutter des "Verschollenen" schon Tage vorher darum gebeten hatte. Diese Meldung, die auf einem seit zehn Jahren ungültigen Formular ausgestellt wurde, traf erst eine Woche später bei der vorgesetzten Dienststelle ein.

Trotz dieser unfaßbaren Zustände wurden die drei Beamten jetzt nur zu Geldstrafen von umgerechnet jeweils rund 4000 Mark verurteilt. Ein Zivilprozeß um Entschädigungsansprüche für Andreas Mihavecz und ein Dienststrafverfahren gegen die drei Beamten stehen allerdings noch aus.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.