Dieter Wedel attackiert ein interessenpolitisches "Komplott"

Ämter-Verfilzung in einem üblen Müll-Skandal

Manchmal wird Müll mit dem Straßenbesen untergefegt, manchmal häuft er sich zu himmelstinkenden Halden. Letzteres geschieht in dem Fernsehfilm "Das Komplott", den Dieter Wedel ? bislang ARD-Aufrei- ßer ungewöhnlichster sozialpolitischer Themen

21.20 Uhr, ZDF

("Einmal Im Leben", "Mittags auf. dem Roten Platz") für das ZDF gemacht hat: erstmals in Eigenverantwortung bei der selbstgegründeten Produktionsgesellschaft "Active Film".

"Active Film" geht aktiv vor in einem Müllskandal, den Dieter Wedel nach authentischen Vorfällen montiert hat und nun auf mehreren Ebenen pokern und anprangern läßt Die Ausgangsbasis: ein selbstherrlicher Parteipolitiker namens Walter Glamann ("Kaiser Walter") genehmigt als Parlamentarier im Bauausschuß seiner Kleinstadt die Errichtung einer überdimensionierten Müllverbrennungsanlage, für deren Betrieb ausgerechnet die Firma verantwortlich zeichnet, bei der Glamann selbst Geschäftsführer ist ? ein klarer Fall von Ämtermißbrauch, politischer und kommerzieller Interessenverquickung, ohne daß dies dem Boß selber oder seinen Stammtischfreunden unbedingt bewußt sein muß.

Da tritt "die Neue" in die ortsansässige Lokalzeitung ein, die karrieresüchtige Reporterin Sina. Sie durchschaut auf Anhieb die Verbandelung politischer und privater Interessen, scheut allerdings selbst auch nicht vor einem aufstiegsfördernden Koordinatensystem zurück. Im örtlichen "Stadtanzeiger" gebärdet sie sich als Enthüllungshyäne, verfaßt sie mehrere folgenschwere Artikel, die Glamann und seine Vertrauensleute vor einen parlamentarischen

Untersuchungsausschuß, Sina selbst allerdings auch in die höheren Etagen journalistischer Betätigung befördern.

Dieter Wedel wirft in seinem Film einen komplexen Fragenkatalog auf, der dem ZDF-Spätzuschauer einige Hallo-Wach-Ubungen abfordert Schließlich gilt es, in diesem vielschichtig gebauten Film den eigenen intellektuellen oder moralischen Stellenwert auszumachen. Alles ist denkbar: ein zweifacher Fall von Karrieresucht provinzielle Kurzsichtigkeit, konservative Großmannssucht und auch angeborene Kurzsichtigkeit

In die Aufstreberrolle der Journalistin Sina hat Dieter Wedel den Theaterstar Andrea Jonasson genommen; ihr armseliger Boß der Lokalredaktion ist Herbert Mensching, der Mann, um den sich alles dreht, der Glamann also, blieb an Wolfgang Wahl hängen.

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