Baubeginn einer neuen U-Bahn-Strecke

Niendorf "näher zur Innenstadt

Morgen vormittag um 11 Uhr wird am Niendorfer Markt der erste Rammschlag den U-Bahn-Bau von Hagenbecks Tierpark bis Niendorf Nord "einläuten". Die knapp 6,5 Kilometer lange Strecke soll 1984 bis Niendorf Markt und 1986 bis zur Endstation Nordalbingerweg fertig sein. Gesamtkosten: 236 Millionen Mark. Davon übernimmt der Bund 100 Millionen. Rund 30 000 Hamburger bekommen endlich Schnellbahnanschluß zur City. Und weil die ganze Strecke im Tunnel liegt, wird es keinen U-Bahn-Lärm geben.

Rathauspolitiker hatten den Niendorfern ihre U-Bahn seit fast 25 Jahren versprochen. Ursprünglich sollten die Züge unter dem Straßenzug Grindelallee _ Grindelberg ? Hoheluftchaussee ? Lokstedter Steindamm ? Kollaustra- ße fahren. Damit hätten zusätzlich Zehntausende in Hoheluft eine ideale Schnellbahnverbindung mit der Innenstadt gehabt. Dieser Plan hatte indes einen entscheidenden Fehler: Es wäre technisch unmöglich gewesen, die Niendorfer U-Bahn-Züge am Stephansplatz in die schon voll ausgelastete Linie U 1 einzufädeln.

Deshalb forderte das Hamburger Abendblatt schon 1960, man solle ersatzweise die schlecht ausgelastete Linie U 2 von Hagenbecks Tierpark bis Niendorf verlängern. Während die Fachleute sofort zustimmten, lehnte der Senat diesen realistischen Vorschlag ab. Die Politiker trauerten der "großen Lösung" ab Stephansplatz nach, die mindestens eine Milliarde Mark ? damals! ? gekostet hätte. Folge: Niendorf s U-Bahn- Anschluß wurde auf Eis gelegt.

Unermüdlich trommelte das Hamburger Abendblatt jahrelang für die "kleine Lösung" ab Hagenbeck ? aus zwei

Gründen :

- sie ist relativ billig zu haben und ? sie wird der unbefriedigend benutzten U 2 endlich mehr Stammkunden sichern.

Mit anderen Worten: Die Verlängerung nach Niendorf kann die Einnahmen des HVV spürbar aufbessern und stabile Tarifstabilität mit ermöglichen. Der Nachteil der "kleinen Lösung": Lokstedt bleibt ohne U-Bahn-Anschluß. Doch Hoheluft und Lokstedt ist jetzt mit der neuen Busspur für Buslinie 102 eine ziemlich störungsfreie Verbindung zur City garantiert. Schließlich mußte sich auch der Senat von der "kleineren Lösung" überzeugen lassen.

Die Verlängerungsstrecke erhält fünf Stationen und mehrere Park-and-Ride- Anlagen. Uneinigkeit gab es längere Zeit über die Haltestelle Hinter der Lieth. Der HW hält sie für überflüssig, weil nach seinen Prognosen nur wenige hundert Fahrgäste täglich zu erwarten sind. Aber die Baubehörde setzte sich durch. Auch mit dieser Station dauert die U-Bahn-Fahrt ab 1984 vom Tibarg zum Jungfernstieg nur 18 Minuten. Die gesamte Neubaustrecke wird nach dem "Hamburger Verfahren" in offener Baugrube angelegt und später abgedeckt. Nach Abschluß der Arbeiten will man "das ursprüngliche Stadt- und Landschaftsbild wiederherstellen". Die Stationen sollen schlicht und zweckmä- ßig ausfallen ? also keine unterirdische Gigantomanie wie an anderen Strecken. Hamburg wll sehr sparsam mit Steuergeldern umgehen.

EGBERT A. HOFFMANN