Kleine Manöverschäden werden gleich an Ort und Stelle bezahlt

Von Horst Wisser >

Wakendorf, 12. September Zwei Worte geistern durch Schleswig-Holstein: "Bold Guard" ("Kühne Wacht") wirft im Lande zwischen den Meeren eine Woche vor den ersten Kampfhandlungen ihre Schatten voraus. Das nördlichste Bundesland wird zwischen dem 19. und 22. September Schauplatz der größten NATO-Gefechts- übung 1978 und der bedeutendsten im norddeutschen Raum überhaupt sein.

An dem schnellen Wechsel der Gefechtsarten werden 65 000 Soldaten aus ,den USA, den Niederlanden, England, Dänemark und der Bundesrepublik teilnehmen. Dieses Großaufgebot an Landstreitkräften

entspricht etwa der Bevölkerung der fünftgrößten Stadt Schleswig-Holsteins, Norderstedt.

"Bold Guard '78" ist im NATO-Hauptquartier für Schleswig-Holstein und Jütland generalstabsmäßig in Szene gesetzt worden. Über den Manöverschauplatz zwischen Hamburg und Flensburg werden 660 Kampfpanzer, 380 Schützenpanzer des Typs "Marder", 36 Flugabwehrpanzer des Typs "Gepard" und 800

Mannschaftstransportwagen rollen. Gefeuert wird aus 215 Artilleriegeschützen, und im Luftraum werden neben den 135 Hubschraubern auch die Starf ighter der deutschen Marineflieger 30mal im Einsatz sein.

Für den dänischen Generalleutnant P. O. W. Thorsen ist selbst die Schlußoffensive der blauen Streitkräfte gegen die roten auf breiter Front zwischen Kellinghusen (Kreis Steinburg) und der Lübecker Bucht ein Beitrag zur Verteidigung. Schließlich gehe es darum, den Feind zu zerschlagen, um das verlorene Territorium zurückzuerobern. Dieser Generalangriff der Blauen endet im Hamburger Umland, zwischen Reinfeld, Bad Oldesloe, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen.

Auf den schleswig-holsteinischen Höfen sind die Bauern längst über die Gefahr von Flurschäden informiert. Sie wissen, daß rund 30 Kommissionen unterwegs sind, die Manöverschäden sofort taxieren und für eine unbürokratische Regelung sorgen. Die Schadensumme ist mit 24 Millionen Mark veranschlagt worden. Kleinigkeiten können an Ort und Stelle geregelt werden.

Die Autofahrer in Schleswig-Holstein werden gebeten, vor allem morgens und abends vorsichtig zu fahren. Abgestellte Militärfahrzeuge sind mit ihrem olivfarbigen Anstrich automatisch getarnt.

Ein militärisches Spektakel besonderer Prägung wird es beim Kampf um die Insel Fehmarn geben. Hier kommt die Elitetruppe der "Ledernacken" aus den USA mit ihren Amphibienfahrzeugen zum Einsatz.

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