Ein Kellner erkannte den Terroristen und rief die PolizeiDer 28jährige Willy-Peter Stoll war einer der gefährlichsten deutschen Terroristen. Er galt als einer der Mörder von Generalbundesanwalt Siegfried Buback, von Bankier Jürgen Ponto und von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Er war ein Waffennarr. Er lief, so heißt es, niemals ohne entsicherte Pistole herum. So auch gestern abend in einem China-Restaurant in Düsseldorf ? doch ein Polizeibeamter schoß schneller.

Vier Schüsse - So starb Stoll

heiVwü. Düsseldorf, 7. September Durch eine gigantische Ringfahndung, die sich über den gesamten Raum Düsseldorf erstreckt, hoffen die Polizeibehörden, weiterer Terroristen habhaft zu werden, nachdem gestern abend einer der gefährlichsten anarchistischen Gewaltverbrecher, der 28jährige Willy-Peter Stoll, in einem Düsseldorfer Lokal gestellt und erschossen worden war. Gleichzeitig wurde eine Nachrichtensperre verhängt, so daß noch unbekannt ist, ob die Großfahndung in der vergangenen Nacht Erfolg hatte.

Willy-Peter Stoll, der zu der Terroristengruppe gehört, die vor genau einem Monat im Odenwald den Fahndern des Bundeskriminalamtes entkommen konnte, war in einem China-Restaurant von einem Kellner erkannt worden.

Als der Beamte eines Streifenwagens ihn aufforderte, sich auszuweisen, zog Stoll eine Pistole. Bevor jedoch der Terrorist abdrücken konnte, hatte der Beamte viermal aus seiner Dienstpistole gefeuert. Stoll starb auf dem Transport in die Universitätsklinik.

Zeugen wollen gesehen haben, daß Stoll sich vor Betreten des Restaurants in Begleitung von zwei anderen Personen befunden habe. Dies führte später zu dem Gerücht, daß man im Zuge der sofort eingeleiteten Fahndung auch die Terroristin Adelheid Schulz gefaßt habe, die sich widerstandslos habe festnehmen lassen. Diese Version wurde von der Bundesanwaltschaft jedoch bestritten.

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Und so liefen die Ereignisse in Düsseldorf ab:

Gegen 18.00 Uhr betritt der wegen sechsfachen Mordes gesuchte Willy- Peter Stoll das Restaurant "Shanghai", Oststraße 156, nahe am Düsseldorfer Bahnhof. Ein Kellner glaubt den Mann zu erkennen; denn die Fahndungsplakate sind auch in dem Lokal ausgehängt.

Der Kellner unterrichtet zunächst seinen Chef, der nun seinerseits den Gast, der allein an einem der Tische in der Nähe seines eigenen Fahndungsfotos sitzt, unauffällig "unter die Lupe" nimmt. Dann ruft er im Polizeipräsidium an.

Stoll sitzt ahnungslos auf einer grünen Polsterbank mit dem Rücken zur Wand und bestellt sein Abendessen. Er trägt eine hellgraue Flanellhose, ein dunkelgraues Jackett und ein weiß-braun kariertes Hemd, sportlich offen, ohne Krawatte.

Um 18.50 Uhr trifft ein Streifenwagen vor dem Lokal ein. Ein Beamter sichert die Tür, während der andere (beide sind in Zivil) auf Stoll zugeht, um dessen Personalausweis zu überprüfen.

In diesem Augenblick greift der Terrorist in eine neben sich auf einem Stuhl abgestellte Tasche und zieht eine Pistole. Aber der Beamte hat bereits, seine Dienstpistole vom Kaliber 7,65 in der Hand. Er schießt schneller. Viermal. Stoll wird in Brust und Bauch getroffen.

Einige Gäste werfen sich auf den Boden, einige sollen, so Augenzeugen, auf die Straße geflüchtet sein. Darunter Komplizen Stolls?

Weitere Polizeiwagen und ein Krankenwagen rasen herbei. Es ist 19.20, als zwei Sanitäter in weißen Kitteln den sterbenden Stoll in einen Krankenwagen schieben. Eine Zeugin: "Sie stolperten mit ihm mitten auf der Straße und fielen hin."

Währenddessen wird die Oststraße abgeriegelt. In Nummer 156 hat die Spurensicherung ihre Arbeit aufgenommen. Die Gäste und der Kellner werden verhört, das Lokal später

amtlich versiegelt.

In der Düsseldorfer Universitätsklinik wird der inzwischen gestorbene Terrorist erkennungsdienstlich behandelt. Wenig später bestätigt Generalbundesanwalt Kurt Rebmann: "Es hat sich eindeutig ergeben, daß es sich um den mit Haftbefehl gesuchten Terroristen Willy- Peter Stoll handelt."

Das China-Restaurant, in dem Stoll gestellt wurde, liegt nur 500 Meter von dem Hotel in der Oststra- ße entfernt, in dem im April letzten Jahres, acht Tage nach dem Mord an Generalbundesanwalt Buback, die beiden Terroristinnen Gabriele Rollnick (inzwischen gefaßt) und Juliane Plambeck logiert hatten. Bei einem Überfall auf eine Düsseldorfer Bankfiliale hatten sie, zusammen mit einer dritten Frau (vermutlich Inge Viett) und einem Mann (angeblich Willy-Peter Stoll), 120 000 Mark erbeutet.

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