Jüngste Forderung Bonns;

Fahrrad statt Auto benutzen!

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Bonn, 1. August Ein motorloses Straßenverkehrsmittel soll helfen, unsere Städte vor dem Verkehrskollaps zu bewahren. Eine heute in Bonn veröffentlichte Studie des Bundesbauministeriums fordert: Das Fahrrad muß "wieder stärker in das Bewußtsein der planenden Verwaltung rücken". Die Untersuchung (Arbeitstitel: "Das Fahrrad im Nahverkehr") kommt zu dem Ergebnis: In Gebieten mit hoher Verkehrsbelastung ist das Fahrrad häufig das schnellste Verkehrsmittel.

Die Bonner Forderung daher: Das Auto stehenlassen und mit dem Fahrrad in die Stadt fahren!

Erst auf Strecken von mehr als vier Kilometer Länge würden in der Stadt das Auto oder der Bus deutlich schneller und bequemer fahren.

Auf den anderen Strecken, so meint man im Ministerium, würden Stauungen, Engpässe und Parkplatzsorgen für den Fahrradfahrer keine Probleme darstellen. Außerdem sei das Fahrrad ein billiges, energiesparendes, umweltfreundliches und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel ? alles Gründe, die nach Ansicht des Ministeriums eine Bevorzugung des Fahrrades in den Städten rechtfertigen.

Deshalb, so heißt es in den Bonner "Empfehlungen", sollten die Städte verstärkt Radfahrwege bauen. Diese seien zu einem "leicht erkennbaren, alle wichtigen Standorte der Stadt erschließenden Netz" zu verknüpfen. "Anzustreben ist ein Anteil des für den Radverkehr bestimmten Wegenetzes zwischen 30 und 35 Prozent des Gesamtstraßennetzes."

Gegenüber der Zunahme des Fahrradbestandes seien die Möglichkeiten, das Rad als Verkehrsmittel in

Von unserem Korrespondenten Einar Koch

der Stadt zu nutzen, bisher deutlich zurückgeblieben.

Die Studie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß in der Bundesrepublik jedes Jahr mehr als vier Millionen Fahrräder gekauft würden. Das seien zwei Millionen mehr, als im gleichen Zeitraum Autos zugelassen würden.

Kritik wird in der Untersuchung an der Verkehrsplanung der Städte geübt, die diesem "Boom" kaum Rechnung getragen hätten. Vor allem die Sicherheit der Radfahrer habe unter der Einstellung kommunaler Verkehrsplaner in der Vergangenheit gelitten.

Die Studie weist auch auf Erhebungen in Großbritannien hin, wonach das Unfallrisiko für einen Radfahrer heute etwa zweimal so hoch sei wie vor 15 Jahren. Besonders gefährdet seien Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren.

Wenn die Verkehrssicherheit der Radfahrer verbessert ist und mehr Radfahrwege angelegt sind, sollte nach den Vorstellungen des Bundesbauministeriums "in den Städten für eine stärkere Benutzung des Tahrrads gezielt geworben werden, um noch immer bestehende Hemmungen" beim Bürger abzubauen. (Kommentar Seite 2.)

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