Hamburgs Geschäftsleute alarmiert:Von Egbert A. Hoffmann

Die City darf nicht veröden

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satzzahlen verbucht werden. Es kommen immer weniger Kunden. Mehrere Firmen erwägen schon Verlegung oder gar Aufgabe des Geschäfts. Dem Zentrum Hamburgs droht Verödung. Hamburg, 8. April Die Verkaufsumsätze der Geschäfte in der Hamburger Innenstadt gehen seit Jahren ständig zurück, während außerhalb der City wachsende Um-

"Der innerstädtische Einzelhandel", so unterstreicht auch Dr. Klaus Prahl, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands des Hamburger Einzelhandels, "befindet sich heute in einer weitaus größeren Abhängigkeit vom Pkw-Kunden als früher." Würde man diesem Teil der Verbraucher die Benutzung des Autos noch mehr erschweren, bestünde die Gefahr,

daß er an anderen Plätzen, die ihm bessere Parkmöglichkeiten bieten, einkauft.

Die Geschäftsleute sind gegen eine Ausweitung des in der City vorhandenen Straßennetzes. Sie wehren sich jedoch gegen "Vernichtung von Verkehrsraum, wie er durch Fußgängerzonen bewirkt wird". Dies gilt auch für die Umwandlung von Postund Gerhofstraße sowie Alter Wall und Rathausmarkt zu Fußgängerbereichen, v, Grüter: "In diesem Fall müßten 'die verbleibenden Straßen den Mehrverkehr autnehmen, was zur weiteren Verknappung der Stellplätze, führen würde. F^ßgängerstra- ßen können nur funktionieren, wenn sie zwei stark frequentierte Punkte verbinden sowie Parallelstraßen für Anlieferer und ausreichend Parkflächen in der Nachbarschaft haben."

Nach den Erkenntnissen des ADAC entfallen in der City bis zu 80 Prozent des Pkw-Verkehrs auf Parkplatzsucher. Dies Dilemma läßt sich nach Ansicht der Fachverbände und auch der Handelskammer beseitigen: den zur City fahrenden Kunden wird frühzeitig auf Schautafeln erläutert, welche Parkhäuser noch frei sind. Auch mit verschärften Kontrollen der Parkuhren könne der vorhandene Stellraum bevorzugt dem Wirtschafts- und Einkaufsverkehr dienen. Ferner regen die Verbände an, .Büroparkflächen und Behördenparkplätze an Sonnabenden gegen Gebühr dem Einkaufsverkehr anzubieten. (Siehe auch Kommentar Seite 2 und Leserbriefe Seite 4.)

Als eine der Hauptursachen des alarmierenden Kundenschwunds nennen die Geschäftsleute übereinstimmend die drastisch erhöhten HVV-Tarife. Deshalb wehren sich die Ladenbesitzer entschieden gegen weitere Einschränkungen des Parkraums durch neue Fußgängerzonen.

"Der ständige Attraktivitätsverlust hat für die City-Funktion verheerende Folgen", erklärt Geschäftsführer Heinrich J. Grüter vom Verband .der Mittel- und Großbetriebe, "ein Rückgang der Investitionstätigkeit wird zwangsläufig sein. Denn der City-Einzelhandel ist auf die mit Bahn, Bus und Pkw kommenden Kunden angewiesen. Nur drei Prozent der Kunden . benutzen kein Fahrzeug." Trotz des Baus der City- S-Bahn und guter Verbindungen seien die Fahrgastzahlen in öffentlichen Verkehrsmitteln rückläufig.

Grüter nennt diese Gründe für den Attraktivitätsschwund der City: ? Bei Kunden-Untersuchungen in der Innenstadt wurde festgestellt, daß der Anteil der Pkw-Besitzer von 50,9 Prozent im Jahre 1971 auf heute 57 Prozent zugenommen hat. ? Nach einer Erhöhung der HVV- Tarife von 25 Prozent in sechs Jahren ist das eigene Auto heute nicht nur subjektiv, sondern bei Familieneinkaufsfahrten auch objektiv billiger.

Bonn: Bürger sollen zurück in die Städte

Von unserer Bonner Redaktion

koc. Bonn, 8. April

Bonn bereitet Pläne vor, um die Verödung der Städte aufzuhalten. Neue städtische Wohnformen sollen den Bürger wieder in die Städte lokken. Dabei setzt Bundesbauminister Haack auf die Schaffung erschwinglicher "Eigentumsheime" in Zentrumsnähe.

Das Ministerium will ein mehrstufiges "Stadthaus-Konzept" erarbeiten und gemeinsam mit den Ländern und Gemeinden verwirklichen. Dabei wird darauf geachtet werden, daß wegen der knapp bemessenen Grundstücke höher und dichter gebaut wird. Gedacht ist unter anderem an Reihenhäuser mit drei Geschossen. Um neue Wohnformen in der City zu Entwickeln, will der Bund 18 Millionen DM einsetzen.

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