Der Widerstand gegen Fußgängerzonen wächst;

In den Colonnaden bleiben die Kunden aus: Der Weg zum Auto ist

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EGBERT A. HOFFMANN

Das Thema Fußgängerzonen ist wieder im Gespräch, nachdem die Handelskammer über negative Erfahrungen mit der neuen Fußgängerstraße Colonnaden berichtet hat. Die Umsätze der Geschäfte sind zum Teil drastisch gesunken. Heute nun fordern Hamburgs Einzelhandelsverbände: keine neuen Fußgängerzonen in der City! Dieses Postulat kollidiert mit den Plänen der Baubehörde, die als nächstes den Stra- ßenzug Gerhof -/Poststraße den Passanten reservieren möchte.

Die Colonnaden vor dem Umbau:

eine belebte Geschäftsstraße

Die Colonnaden als Fußgängerzone: die Geschäfte klagen über Kundenschwund

"Bis auf wenige Ausnahmen", ermittelte die Handelskammer, "ist keine Firma mit der Fußgängerzone Colonnaden voll zufrieden." Schuld seien nicht nur sinkende Umsätze, sondern auch das "äußere Erscheinungsbild" der Colonnaden. Die "gähnende Leere" sei, hauptsächlich dem "gravierenden Mangel" an Pkw- Stellplätzen zuzuschreiben. "Anspruchsvolle Käufer", die gerade in den Colonnaden das Besondere und Ausgefallene gesucht hätten, blieben aus.

"Besonders unzufrieden", ergänzt Dr. Heinz Kamin, Hauptgeschäftsführer der Fachverbände des Hamburger Einzelhandels, "sind die Geschäftsleute im Südteil der Colonnaden. Der Passantenstrom konzentriert sich auf die Straßenmitte ? unter den Arkaden rechts und links geht kaum jemand. Das läßt sich nur ändern, wenn man Vitrinen und Bänke mitten auf die Straße stellt. Dazwischen vielleicht auch Springbrunnen." Es genüge eben nicht ? so Dr. Kamin ? eine Straße nur von Hauswand zu Hauswand neu zu pflastern und dann zur Fußgängerzone zu erklären.

Die Fachverbände sind "nicht grundsätzlich" gegen solche Zonen. Man müsse allerdings von Fall zu Fall prüfen. Dr. Kamin: "Mit der Spitalerstraße, dem Gerhart-Hauptmann-Platz sowie Fußgängerstraßen in Altona und Bergedorf haben wir, ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Die Mönckebergstraße ist dafür jedoch viel zu breit. Außerdem ist der Anliefererverkehr dort kaum zu lösen."

Wie die Handelskammer sind auch die Verbände dagegen, jetzt Gerhof- und Poststraße zur "verkehrsberuhigten Zone" zu machen. Kamin: ?Zunächst sollte man das Problem sehr gründlich untersuchen. Vor einer Entscheidung muß geklärt sein, wie der Anliefererverkehr funktionieren soll. Und da müssen in der Nähe genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Wer mit dem Auto kommt, will nicht schwere Pakete bis zu seinen Wagen am Dammtor schleppen.

Ebenso konsequent lehnt Heinrich Grüter, Geschäftsführer des Verbands der Mittel- und Großbetriebe, diesen Straßenzug als Passanten-Dorado ab. "Die Stra- ße ist städtebaulich uninteressant. Im übrigen gibt es kaum Pkw-Stellplätze. Der individuelle Verkehr ist nun mal wichtig für Fußgängerzonen." Im Hintergrund der Proteste: viele Innenstadt-Geschäfte leiden zunehmend unter der Konkurrenz neuer Einkaufszentren in den Stadtteilen.

Die Handelskammer sagt den Einzelhändlern zwischen Gänsemarkt und Rathausmarkt bereits heute voraus, sie müßten sich auf Umsatzrückgang einstellen, wenn nur noch Fußgänger vor ihren Schaufenstern tonangebend seien. Bedenken der Kammer richten sich auch gegen die Konzentration des City- Verkehrs auf wenige Straßen. Die unerwünschten Folgen: verminderte Attraktivität und Urbanität auf zusätzlich belasteten Straßen, verschärfte Parknöte, Entstehung neuer Verkehrsengpässe ? so in den Bereichen Jungfernstieg, Bergstraße, Große Johannisstra- ße und Adolphsplatz.

Die Forderung der Geschäftsleute, vorerst keine neuen Fußgängerzonen in der Innenstadt einzurichten, stößt bei der Baubehörde auf Ablehnung. Man hält am Vorsatz fest, Gerhof- und Poststraße allein Fußgängern zu reservieren.

Eng verknüpft mit dieser Planung ist die beschlossene Umgestaltung des Rathausmarktes. Wenn für mindestens 20 Millionen Mark der Platz unterkellert wird, bekommt diese Tiefgarage mit 290 Stellplätzen ihre Zu- und Abfahrt im Alten Wall. Das heißt: Der Alte Wall wird für den Durchgangsverkehr gesperrt. Dagegen gibt es ernste Bedenken. In den nächsten Tagen wird sich das Bezirksparlament Mitte ausführlich mit diesem vielschichtigen Thema beschäftigen.

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