Auto-Tester Rainer Günzler starb nach Nierenerkrankung

Der Tod brachte fairen Kritiker zum Schweigen

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Eigener Bericht

B.-R. Hamburg, 3. Dezember

Einer der bekanntesten deutschen Motor-Sportjournalisten ist tot. In einem Berliner Krankenhaus erlag der 50 Jahre alte Rainer Günzler einem Nierenversagen. Erst vor zwei Monaten hatte er sich einer Operation unterziehen müssen. Seine Kollegen und Freunde sind erschüttert. Dieser vitale Mann wurde aus einem erfolgreichen Leben gerissen. Noch vor der Krankheit war er voller neuer Ideen und Schaffensdrang.

Seit seiner Rennfahrer-Karriere in den 50er Jahren hatte es Günzler verstanden, sich ein besonderes Image zu schaffen. Obwohl er sich gelegentlich in der Nähe des "Jet-set" aufhielt, wurde Günzler nie als Playboy eingestuft. Man respektierte ihn wegen seines Fachwissens und bewunderte ihn wegen seiner ungewöhnlichen Karriere.

Günzler hatte es geschafft, vom Werksfahrer bei Mercedes zum Aufsichtsrat bei Daimler-Benz aufzusteigen. Dazwischen lagen erfolgreiche Jahre als Rundfunk- und Fernsehreporter bei Radio Stuttgart, der APJJ und dem ZDF.

Seine Fähigkeiten als Manager, Finanz- und Industrieberater bewies er nach dem Tod seines Freundes, des Großindustriellen Harald Quandt Als dieser 1967 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, eine Witwe und fünf Töchter hinterließ, stand Günzler Inge Quandt beratend zur Seite. Er wurde Mitgeschäftsführer der Quandt- Vermögensverwaltungsgesellschaft in Frankfurt. Auch als Günzler Ende 1974 seine Funktionen im Hause Quandt niedergelegt hatte, unterhielt er unter anderem noch eine Industrieberatungsgesellschaft in Berlin und eine Patentverwertungsgesellschaft in Genf.

Der breiten Öffentlichkeit aber wurde Rainer Günzler vor allem durch seine Fernsehsendungen bekannt Er moderierte rund 70mal das "Aktuelle Sport- Studio". In den vergangenen 20 Jahren nahm er mehr als 400 verschiedene Autotypen kritisch unter die Lupe und legte dabei mehr als zwei Millionen Kilometer zurück. Seine Filmberichte gaben nicht nur den Laien wichtige Anhaltspunkte zur Beurteilung eines Autos, sondern auch der Industrie nützliche Anregungen.

Erst in diesem Sommer hatte Rainer Günzler im ZDF ein neues aktuelles Auto-Magazin unter dem Titel "Tele- Motor" vorgestellt. "Wir wollen auf keinen Fall mit dem Dolch vor der Kamera sitzen", hatte er gesagt. "Wenn wir schon Kritik üben, dann wollen wir auch positive Denkanstöße geben ? sachlich und ohne Emotionen."

Der plötzliche Tod hat einen fairen Kritiker zum Schweigen gebracht. Vielen war er ein Vorbild.

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