Ein Drittel der Abgeordneten kehrt nicht zurück ins Landesparlament

Der Abschied von der politischen Bühne fällt vielen nicht

Schon jetzt zeichnet sich ab, daß rund ein Drittel der Bürgerschaftsabgeordneten nach der Wahl im nächsten Jahr nicht wieder in das Landesparlament zurückkehrt. Nicht allen fällt der Abschied von der politischen Bühne so leicht wie Bürgerschaftspräsident Herbert Dau (SPD), der für die Zeit danach zuversichtlich ist, "daß das die schönsten Jahre meines Lebens werden".

Der fast 66 Jahre alte Wirtschaftsmanager zählt mit seinen Fraktionskollegen Elisabeth Ostermeyer (64) und John Leyding (68) zu den Männern und Frauen der ersten Stunde im (Nachkriegs-)Rathaus. Alle drei haben seit 1946 ununterbrochen ihren Sitz in der Bürgerschaft inne und sind mit Abstand die nach Amtsjahren ältesten Abgeordneten im Landesparlament. Und alle drei wollen nicht wieder als Volksvertreter in das Rathaus zurückkehren.

"Ich möchte jetzt jüngeren Parteifreunden Platz machen", sagt John Leyding, der viele Jahre Mitglied des Ältestenrates war, über 25 Jahre im Haushalts- und Sportausschuß saß und rund zehn Jahre den Bauausschuß leitete.

Nicht des Alters wegen, sondern aus beruflichen Gründen bewirbt sich ein anderer bekannter SPD-Politiker nicht mehr um ein Abgeordnetenmandat. Es ist Caesar Meister (49), Bausenator von 1966 bis 1974, während dessen Amtszeit das Congress Centrum gebaut wurde. Meister, als Chef der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bergedorf-Bille und als Vorsitzender des" Verbandes Norddeutscher Wohnungsunternehmen stark in Anspruch genommen, sagt: "Ich muß meine Kräfte konzentrieren." Er will sich jedoch politisch nicht zur Ruhe setzen und bleibt SPD-Chef in Hamburg Mitte.

Ebenfalls nicht mehr in der SPD-Mannschaft werden der frühere Vermögenssenator Otto Hackmack (1970 bis 1974) und der einstige Fraktionsgeschäftsführer Kurt Prätsch zu finden sein. Das gleiche gilt für die derzeitigen MdBüs Friederike Büscher, Helga Kutz-Bauer, Paul Kagerah, Harry Hartz, August Matena, Peter Mihm, Heinz Scholz, Georg Tobaben, Raimond Wagener und Uwe Zimmermann. Teils scheiden sie aus völlig freiem Entschluß aus, teils weil sie von vornherein keine Aussicht auf Durchsetzung ihrer Kandidatur hatten, teils scheiterten sie bei der Kandidatenaufstellung.

Bei der CDU sind es 17 Abgeordnete, die nicht wieder in die Bürgerschaft zurückkehren. Darunter befindet sich eine Reihe bekannter Namen. So wollen sich die drei Bundestagsabgeordneten Klaus Francke, Dr. Stephan Reimers und Volker Rühe, wie berichtet, von der Bürde des Doppelmandats befreien und sich künftig auf die Bundespolitik konzentrieren.

Außer ihnen werden folgende Parlamentarier nicht mehr in der Christdemokraten- Crew für die Bürgerschaftswahl 1978 zu finden sein: Oswald Beck, Rudi Bergmann, Dr. Harm Bredemeier, Helga Diercks-Norden, Werner Friebe, Dr. Wilhelm Imhof f, Ingo" Jahnke, Irene Knickrehm, Prof. Jens Lübbert, Ernst- Erich Plattner, Volker Starke, Dr. Dr. Norbert Thurow und der frühere Fraktionsvorsitzende Dr. Wilhelm Witten (1961 bis 1970).

Dr. Witten (57) ist wie sein ausscheidender Fraktionskollege Dr. Imhoff (67) mit dem Parlaments-Jahrgang 1953 ein Bürgerschafts-Oldtimer. Der Kulturexperte Imhoff hat übrigens ebenso wie die Sozialfachleute Volker Starke und Ingrid Knickrehm nicht freiwillig den Abgeordnetenplatz frei gemacht. Alle drei unterlagen, als der Wahlausschuß der CDU die Nominierungsliste aufstellte.

Am wenigsten überschaubar ist die Lage bisher bei der FDP. Einzig der zweite Vizepräsident der Bürgerschaft, Reinhard Philipp (52), hat bei der mit 13 Abgeordneten kleinsten Fraktion bisher seinen Verzicht erklärt. "Für die 1978 beginnende neunte Legislaturperiode der Hamburger Bürgerschaft stehe ich als Kandidat nicht mehr zur Verfügung", schrieb der ehemalige Kultursenator (1970 bis 1974) aus dem Sommerurlaub lapidar an seine Parteifreunde.

Als sichere Anwärter auf ein freidemokratisches Parlamentsmandat dürfen sich allein die drei FDP-Senatoren Prof. Dieter Biallas (Kultur), Gerhard M. Meyer (Justiz), Dr. Rolf Bialas (Bau) und die Fraktionsvorsitzende Maja Stadler-Euler betrachten, die vermutlich auch die Spitzenmannschaft für den Wahlkampf bilden werden. Alle anderen Liberalen müssen noch um ihre politische Zukunft bangen, auch Fraktionsvize Gerhard Weber.

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