Freie Demokraten: ?Der SPD-Beschluß schadet den Interessen Hamburgs"

Osttangente teilt die Koalition

Der Bau der Ortsumgehung Langenhorn, für die sich am vergangenen Wochenende mit großer Mehrheit der sozialdemokratische Landesparteitag entschieden hatte, droht zum koalitionspolitischen Zankapfel zu werden. Zwei Tage später ging der Vorstand der Hamburger FDP auf Gegenkurs und nannte den SPD-Beschluß "politisch fragwürdig und für die Interessen Hamburgs schädlich".

Die Freien Demokraten legen sich quer, weil der größere Koalitionspartner lediglich den stra- ßenmäßigen Ausbau der Ortsumgehung für Langenhorn und Fuhlsbüttel beschlossen hat. Wie ausführlich berichtet, votierten die Sozialdemokraten gegen die Entlastung dieser Stadtteile mit Hilfe einer neuen Stadtautobahn und erteilten damit dem lange heftig diskutierten Projekt der Osttangente eine Absage.

Gegen diesen Beschluß wendet sich die FDP jetzt mit dem Argument, daß für den Bau einer autobahnähnlichen Straße von Langenhorn bis zur Alsterkrugchaussee die hundertprozentige Finanzierungszusage des Bundes vorgelegen habe. Für die von der SPD nun ins Auge gefaßte normale Umgehungsstraße müßten jedoch In den nächsten Jahren nahezu 100 Millionen Mark aus dem Hamburger Haushalt aufgewendet werden.

"Ein teurer Parteitagsbeschluß", meinte FDP-Landesvorsitzende Helga Schuchardt gestern mit Blick auf den Koalitionspartner. Ihre Auffassung: "So einfach dürfen die Steuergelder der Hamburger nicht ausgegeben werden." Die Führung der Elbliberalen faßte ihre Position zur Ortsumgehung Langenhorn so zusammen: "Für die FDP stellt sich angesichts der Finanzlage nur die Alternative: Entweder Bau bei hundertprozentiger Bezahlung durch den Bund oder Verzicht auf das Projekt."

Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (SPD) hatte auf dem Parteitag dargelegt, daß zwar die Finanzierungsfrage für eine Autobahn spräche, daß aber aus "Verkehrs- und stadtentwicklungspolitischen Gründen" dem straßenmäßigen Ausbau der Ortsumgehung der Vorzug zu geben sei.

Das umstrittene Thema wird vermutlich bald Gegenstand eines Koalitionsgespräches sein. Frau Schuchardt: "Wir erwarten, daß die SPD auf uns zukommt." rup

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 1977