Beschluß beim SPD-Parteitag:

Osttangente ist vorläufig zu den Akten gelegt

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VEIT RUPPERSBERG

Für viele Bewohner von Langenhorn und Fuhlsbüttel werden voraussichtlich die Lärm- und Geruchsbelästigungen als Folge übermäßigen Straßenverkehrs in naher Zukunft abnehmen- Denn die Zeichen für den Bau einer Ortsumgehung Langenhorn stehen günstig. Der Landesparteitag der Hamburger SPD hat sich am Wochenende für den Bau einer Entlastungsstraße ? vor allem ? für die Langenhorner Chaussee ausgesprochen.

Die Ortsumgehung Langenhorn soll jedoch nicht als Autobahn ausgebaut werden. Nach Vorstellung der Sozialdemokraten soll die Trasse ausschließich auf Hamburger Gebiet und so nah wie möglich an der Lärmquelle Flughafen verlaufen. Mit dieser Entscheidung hat die SPD das heißumstrittene Thema Osttangente, einer Stadtautobahn mit Anschluß zur Kieler Autobahn, vorläufig zu den Akten gelegt.

Gegen eine Autobahn hatte sich, wie berichtet, sowohl bei den Sozialdemokraten als auch beim Koalitionspartner FDP starker Widerstand erhoben. Am energischsten machten jedoch die Bewohner des Hamburger Nordens gegen das Autobahn-Projekt Front, weil sie eine Zerschneidung ihrer Wohngebiete und weitere unerträgliche Lärmbelästigungen in der Umgebung der Osttangente befürchteten.

Die genaue Linienführung der künftigen Langenhorner Umgehungsstraße liegt noch nicht fest. Bürgermeister Hans-Ulrich Klose machte am Sonnabend vor den I'arteitags-Delegierten zwar keinen Hehl daraus, daß auch die nicht als Autobahn konzipierte Ortsumgehung zwangsläufig Umweltbelastungen mit sich bringen werde, hob jedoch hervor, daß die jetzige Situation an der Langenhorner Chaussee "unerträglich" sei. Der Bürgermeister: "Ich meine deshalb, daß die Ortsumgehung auf jeden Fall gebaut werden muß."

Mit dem Verzicht auf eine Autobahn im Raum Langenhorn/Fuhlsbüttel kommen auf Hamburg erhebliche finanzielle Belastungen zu. Die Kosten des Autobahnbaues hätte nämlich der Bund übernommen; so aber ist ungewiß, ob es wenigstens einen Zuschuß aus Bonn gibt. Trotz der Finanzierungsprobleme plädierte Klose nach Verhandlungen mit dem Bonner Verkehrsministerium aus "Verkehrs- und stadtentwicklungspolitischen Gründen" für den straßenmäßigen Ausbau der Ortsumgehung. Denn: Eine Autobahn würde wahrscheinlich noch mehr Autoverkehr in den Raum Langenhorn/Fuhlsbüttel ziehen.

Allerdings kann die seit mehr als einem Jahrzehnt geführte Diskussion um die Osttangente Wiederaufleben: wenn sich nämlich die Bundesrepublik mit Ost-Berlin bei den voraussichtlich im kommenden Frühjahr beginnenden Verhandlungen über den Bau der Autobahn Hamburg ? Berlin einigen sollte. "Dann müssen wir im Osten eine Lücke schließen", sagte Bürgermeister Klose vor dem Parteitag.

Am selben Ort hatte Bundeskanzler Helmut Schmidt, wie berichtet, einen Tag vorher wissen lassen, die Berliner Autobahn dürfe in Hamburg "nicht an der Sievekingsallee aufhören".

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